HOUSE TURTLE. Eine Architektur von Carsten Höller und Marcel Odenbach in Ghana | UAA Ungers Archiv für Architekturwissenschaft, Köln


Die eng miteinander befreundeten Künstler Carsten Höller und Marcel Odenbach haben vor rund einem Jahrzehnt gemeinsam ein Haus an der ghanaischen Küste gebaut. Die schachtelartige Betonkonstruktion ist als Hohlkörper konzipiert, der auf Stelzen hoch über dem Golf von Guinea schwebt. In unmittelbarer Auseinandersetzung mit Klima und Topographie und in einem langwierigen Bauprozess haben Höller und Odenbach ein privates Domizil geschaffen, das prinzipielle Fragen zu Wesen und Funktion von Architektur aufwirft. Im Frühjahr 2017 ist diesem außergewöhnlichen Bau eine Ausstellung im UAA Ungers Archiv für Architekturwissenschaft gewidmet.


 

Carsten Höller und Marcel Odenbach, House Turtle, Biriwa, Ghana, Südseite des Hauses; Foto Åke E:son Lindman

 

 

 

Der Gedanke zu bauen liegt vielen Künstlern nahe. Wenn Künstler bauen, dann kümmern sie sich in der Regel weniger um Bauvorschriften und Realisierbarkeit als vielmehr um ästhetische, philosophische oder auch soziologische Fragestellungen. Ein Beispiel für einen geglückten Rollentausch ist das von Carsten Höller und Marcel Odenbach an der ghanaischen Küste gebaute Wohnhaus House Turtle. Bei der Konzeption des Gebäudes haben sich die Künstler mit elementaren Ideen und Voraussetzungen des Bauens auseinandergesetzt und bewusst Grenzen überschritten. Der schachtelartige Betonskelettbau schließt sich kaum gegen die Umgebung ab und erfüllt die Funktion eines nach außen gewendeten Guckkastens oder Trichters, da der röhrenförmige Hohlkörper zum Meer hin höher und weiter wird.

 
 

Blick über die Küste, Foto Åke E:son Lindman

 

 

Ein eigens für die Ausstellung entwickeltes großformatiges Modell soll die Topographie sowie die skulpturale Gestalt der Architektur veranschaulichen. Großfotos, Pläne der Architektin Christina Furler, Furler Architects Ltd., und private Schnappschüsse des Hauses von Höller und Odenbach zeigen die dem Gebäude zugrundeliegenden ästhetischen Überlegungen und künstlerischen Ideen auf. Die Videoarbeit Fishing is not done on Tuesdays von Marcel Odenbach und Lukas Marxt interpretiert die Architektur in filmischen Bildern und versetzt die Besucher in die Lage, die spezifischen Bedingungen des Ortes nachzuvollziehen. Die Videoarbeit hatte im Februar 2017 Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin.

 

 

Innenansicht, Foto Åke E:son Lindman

 

 

 

Als Plattform für den interdisziplinären Diskurs widmet sich das UAA Ungers Archiv für Architekturwissenschaft besonders der Schnittstelle zwischen bildender Kunst und Architektur und nimmt mit der Ausstellung House Turtle gezielt die Gründe, aus denen Künstler bauen, sowie die der architektonischen Struktur immanenten bildnerischen Gedanken in den Blick. Anknüpfungspunkte zur Architekturtheorie und -geschichte, die sich aus der Ausstellung ergeben, werden zur Eröffnung in einem Gespräch zwischen dem Kunsthistoriker Andreas Denk und dem Künstler Marcel Odenbach erörtert.

 

 

Küste mit Haus, Foto Åke E:son Lindman

 


 


 

 



Allgemeine Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.