Neuerscheinung:
Mustafa Khalifa, Das Schneckenhaus




Jemand musste ihn verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Abends verhaftet. Der junge syrische Absolvent der Pariser Filmhochschule kommt nach sechs Jahren in Frankreich am Flughafen von Damaskus an und wird bei der Einreise festgenommen und in eine Abteilung des Geheimdiensts gebracht, wo er sofort gefoltert wird.

Das geschieht Anfang der 1980er-Jahre und sollte die erste Station einer dreizehnjährigen Reise durch die Hölle werden. Man wirft dem jungen Mann vor, der verbotenen Muslimbruderschaft anzugehören, obwohl er getaufter Christ ist und Atheist dazu. Es gibt weder eine Anklage noch eine Gerichtsverhandlung. In dem schlimmsten aller Gefängnisse, dem Wüstengefängnis bei der Oasenstadt Palmyra (arabisch Tadmur), gerät er zwischen die Fronten der dort inhaftierten Muslimbrüder, die ihn als Ungläubigen töten wollen, und den Wärtern, die ihn schlagen und foltern. Er überlebt, indem er sich in sich selbst wie in ein Schneckenhaus zurückzieht und durch ein Loch in der Wand die Vorgänge im Gefängnishof beobachtet. Er führt ein Gedankentagebuch, das er nach seiner Freilassung zu Papier bringt, um den Terror zu dokumentieren und die Erinnerung an die Gefangenen und Ermordeten wachzuhalten. (Verlagstext)



Mustafa Khalifa hat aus eigenen Erfahrungen heraus geschrieben, er war von 1981 bis 1994 ohne Anklage oder Prozess in diversen syrischen Gefängnissen inhaftiert, die meiste Zeit in Tadmur. Sein Roman ist als Tagebuch erzählt, allerdings ohne Jahreszahlen und ohne Ortsnamen. Ein Bericht aus der Hölle, kühl und distanziert, so schmerzhaft wie notwendig. Der Text erschien auf arabisch zuerst im Internet. Er spielte eine wesentliche Rolle beim Beginn der syrischen Revolution. 2007 wurde er auf französisch publiziert, ein Jahr später auf arabisch. Khalifa wurde 1948 in Dscharabulus, Syrien, geboren und wuchs in Aleppo auf. Schon früh engagierte er sich politisch und wurde deshalb zweimal verhaftet. 2006 konnte er in die Vereinigten Arabischen Emirate ausreisen; von dort gelangte er nach Frankreich. Sein Roman erschien bereits auf Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch und Norwegisch.


Larissa Bender übersetzt aus dem Arabischen und ist Herausgeberin des Bandes Innenansichten aus Syrien. 2018 erhielt sie für ihre Übersetzertätigkeit und ihr Engagement im deutsch-arabischen Kulturaustausch das Bundesverdienstkreuz. Sie lebt und arbeitet in Köln. Im Weidle Verlag erschien ihre Übersetzung von Niroz Malek, Der Spaziergänger von Aleppo.



Mustafa Khalifa

Das Schneckenhaus

Tagebuch eines Voyeurs

aus dem Arabischen und mit einem Nachwort von Larissa Bender

Weidle Verlag, Bonn 2019


Die Publikation wurde von der Kunststiftung NRW gefördert.




Das Schneckenhaus von Mustafa Khalifa wird beim „lesenswert“ Quartett mit Denis Scheck besprochen werden!


Sendetermine:


Im Fernsehen:


11. Juli 2019 um 23.15 Uhr im SWR Fernsehen

11. August um 10.20 Uhr in 3sat

Wiederholungen in ARDalpha und Deutsche Welle


Im Hörfunk:


24. September um 22.03 Uhr in SWR2

sowie als Video on Demand für ein Jahr in der ARD/SWR-Mediathek



Larissa Bender im Gespräch mit Dina Netz, Deutschlandfunk, 4.6.2019 >