Max Ernst und das Buch,
Kunst- und Museumsbibliothek Köln




Während Max Ernst (1891-1976) als bildender Künstler weltweit auf hohe Anerkennung trifft, ist er als Dichter vor allem im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannt. Die Ausstellung in der Kunst- und Museumsbibliothek Köln gilt deshalb Ernsts literarischem Schaffen im Medium des gedruckten Buchs. Das kann auch ein als Buch angelegtes Mappenwerk sein oder ein Ausstellungskatalog, einem Sammlungsschwerpunkt der Kunst- und Museumsbibliothek.



Mit über sechzig Exponaten spannt die Ausstellung den Bogen von Ernsts ersten im Jahr 1922 gemeinsam mit Paul Éluard veröffentlichten Büchern „Répétitions“ (Wiederholungen) und „Les malheurs des immortels“ (Die Unglücksfälle der Unsterblichen) bis zu seinem letzten Buch „Lieux communs“ (Gemeinplätze) im Jahr 1971. Die Bestände der Kunst- und Museumsbibliothek Köln werden von Leihgaben aus dem Max Ernst Museum Brühl des LVR, dem Archiv der Galerie Der Spiegel und aus Privatsammlungen ergänzt. Einen Höhepunkt bildet die „Maximiliana oder Die widerrechtliche Ausübung der Astronomie“. Das 1964 fertiggestellte Buch trägt den Namen eines Planeten, den der als Autodidakt forschende Astronom Wilhelm Leberecht Tempel 1861 entdeckt und nach dem bayrischen König Maximilian II. benannt hatte. Es handelt sich hierbei um eine Folge von (Aquatinta-)Radierungen mit einem Text nach Tempel und geheimnisvollen Schriftzeichen Ernsts auf altem Japanpapier. Die Drucke hüllte der Typograf und Drucker Iliazd in viele Lagen handgeschöpften farbigen Papiers und einen bedruckten Umschlag aus Pergament. Ein weiterer Höhepunkt ist der Fund eines Probedrucks aus dem Jahr 1954 von Ernsts erstem deutschsprachigem Buch, den Paramythen, die er nach seiner Rückkehr aus den USA aus dem Englischen übertrug. Der Andruck wurde im Januar dieses Jahres bekannt und stellt das derzeit einzige bekannte Exemplar dar. Die Typografie stammt von dem Schriftsteller und Verleger Rainer Maria Gerhardt. Er konnte das Buch selbst nicht mehr in seinem Verlag der Fragmente verlegen; es erschien ein Jahr später in dem Verlag Galerie Der Spiegel. Entdeckungen besonderer Art stellen neben dem umfangreichen Buchkonvolut auch die sog. Ephemera und Rara dar, ein kleiner Faltkatalog von nur vier Seiten, ein Züricher Ausstellungskatalog von 1934, nicht mehr als ein geklammertes Heft, oder eine Einladungskarte, die eine Ausstellungseröffnung in Paris zum Event macht. Und nicht zuletzt ist es ein Manuskript seines letzten Sprachkunstwerks in deutscher Sprache, das Schauspiel „Leitfaden“, aus dem Archiv der Galerie Der Spiegel, das nachdrücklich Ernsts „Lust am Text“ (Roland Barthes) dokumentiert. Es stammt aus dem Jahr 1964.



Die Vorbereitung der Ausstellung erfolgte in enger Kooperation mit dem Max Ernst Museum Brühl des LVR und dem Archiv der Galerie Der Spiegel. Kuratorin ist die Literatur- und Kunstwissenschaftlerin Dr. Gabriele Wix, Universität Bonn. Es erscheint eine Begleitpublikation mit Beiträgen von Marcel Beyer, Renée Riese Hubert, Jürgen Pech, Joachim Rickes, Harald Wolter-von dem Knesebeck und Gabriele Wix sowie einer umfassenden kommentierten Bibliografie in der Schriftenreihe der Kunst- und Museumsbibliothek.


Zweite Station der Ausstellung ist ab Juli 2019 das Universitätsmuseum Bonn in Kooperation mit dem Paul-Clemen-Museum. Ernst zählt zu den berühmten Alumni der Universität Bonn. Er studierte hier von 1910 bis 1914; 1972 wurde ihm hier die Ehrendoktorwürde zuteil. In Bonn ist die Ausstellung vom 5. Juli bis zum 15. September 2019 zu sehen.


Die Ausstellung wird gefördert von: Kunststiftung NRW, Landschaftsverband Rheinland, Philosophische Fakultät der Universität Bonn, Bonner Universitätsstiftung, Universitätsgesellschaft Bonn und der Universitätsbibliothek Köln.


Text: KMB Köln/Universität Bonn



Ausstellungsdauer:


tunke den finger ins tintenmeer... Ein Maler schreibt. Max Ernst und das Buch

11. Mai bis 30. Juni 2019


Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln

Heinrich-Böll-Platz/Bischofsgartenstr. 1

50667 Köln


Öffnungszeiten: Mo 14-21 Uhr, Di-Do 10-21 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr




Kölnische Rundschau, 11.05.2019