Lucerne Sommer-Festival 2018


 
 
 

So viele Kinder wird man selten im KKL Luzern antreffen – kein Wunder, steht das Sommer-Festival 2018 doch unter dem Motto «Kindheit». Dabei wird es viele Projekte geben, die sich speziell an die jüngste Generation richten: Das Publikum von morgen soll in den Fokus gerückt werden. Deshalb wurde auch der luxemburgische Regisseur und Performer Dan Tanson als «artiste étoile» verpflichtet, der für LUCERNE FESTIVAL YOUNG schon grandiose Aufführungen erarbeitet hat. «Trommelkünstler» Fritz Hauser hat als «composer-in-residence» mit Schraffur ein Projekt für 300 Mitwirkende aller Altersklassen kreiert – und dabei auf die kindliche Praxis des Schraffierens zurückgegriffen.


Die Frage lautet: Wie sieht die Kindheit aus, wie sollte sie sein? Woran erinnern wir uns, wenn wir zurückdenken? Fest steht: In der Kindheit geschieht alles zum ersten Mal. Alles ist noch unbekannt, neu und vielleicht sogar unheimlich: Es will entdeckt, erforscht und ergründet werden. Zugleich ist die Kindheit das Lebensalter der absoluten Individualität, weil man sich auf jedes Phänomen seinen eigenen Reim machen kann. Kinder erfinden für Gegenstände und Personen ihre eigenen Namen, sie erdenken sich unorthodoxe Erklärungen für bestimmte Phänomene und für die Realität. Erst im Zuge des Heranwachsens müssen sie sich an die Konventionen der Gesellschaft und der wissenschaftlich sanktionierten Welt anpassen. Wer aber als Erwachsener noch abweichende Ansichten zeigt, wer also Kind geblieben ist, der gilt als naiv oder gar als Träumer und Spinner.


In den Konzerten des Sommers 2018 werden Werke vorgestellt, die sich mit Kindern und der Kindheit auseinandersetzen. Musik von Georges Bizet ist dabei, von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky oder Igor Strawinsky. Sir Simon Rattle wird Maurice Ravels witzige und zugleich unheimliche Oper L’Enfant et les Sortilèges dirigieren, in der ein Kind allein zuhause bleibt und plötzlich alles rundum lebendig wird: die Möbel, das Geschirr, ja selbst das Kaminfeuer … Präsentiert werden Stücke mit musikpädagogischem Hintergrund wie etwa Sergej Prokofjews Peter und der Wolf. Natürlich spielen allerlei Märchenstoffe eine prominente Rolle: Aschenputtel, der Nussknacker, furchterregenden Hexen und Zaubervögel. Wir fühlen uns in die Psyche von Komponisten wie Wolfgang Amadé Mozart und Anton Bruckner ein, die sich den Regeln der Erwachsenenwelt nicht angepasst haben. Wir spüren dem schillernden Phänomen der «Wunderkinder» nach. Es ist ein Ergründen der Kindheit als Sehnsuchtsort, als Topos des Paradieses und der Unschuld, des verlorenen Glücks. (Festivaltext)



Das Lucerne Sommer-Festival findet vom 17. August bis 16. September 2018 statt und wird von der Kunststiftung NRW gefördert. Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier