Louis Andriessen: De Materie | Ruhrtriennale


Mit Louis Andriessens „De Materie“ bringt die Ruhrtriennale im letzten Jahr der Intendanz Heiner Goebbels’ ein weiteres exzeptionelles Musiktheaterwerk des 20. Jahrhunderts zur Aufführung, das in Dramaturgie, Libretto und musikalischer Form traditionelle Muster der Oper überwindet und ihren Möglichkeitsraum erweitert. Wie in vier umfangreichen Kapiteln eines Buches oder Sätzen einer Symphonie reflektiert De Materie die Zusammenhänge von Materie, Geist und Gesellschaft aus wechselnden Perspektiven: die niederländische Unabhängigkeitserklärung von 1581, eine Anleitung zum Schiffsbau von 1690, ein philosophisch-naturwissenschaftlicher Essay von 1651, die religiös-erotische Vision einer Nonne aus dem 13. Jahrhundert, ein kunsthistorisches Manifest, eine private Notiz zu Piet Mondrian, ein Gedicht über den Tod, eine Tagebuchaufzeichnung und eine öffentliche Rede von Marie Curie.

Diese erste große Musiktheaterarbeit des niederländischen Komponisten für Solisten, Sprecherinnen, Chor und großes Ensemble wird seit ihrer Uraufführung in Amsterdam 1989 erstmals im Rahmen der Ruhrtriennale wieder szenisch realisiert.


Seit vielen Jahren unterstützt die Kunststiftung NRW die Ruhrtriennale und fördert ausgewählte Projekte des internationalen Festivals der Künste in der Metropole Ruhr. Dabei stehen seit einigen Jahren Produktionen des Musiktheaters im Fokus, die sich an kommunalen Theatern bzw. Opernhäusern aufgrund ihrer außergewöhnlichen Faktur kaum realisieren ließen. Die Kunststiftung NRW verbindet sich hier ganz im Sinne ihrer übergreifenden Förderphilosophie mit dem musiktheatralen Experiment und dem künstlerischen Wagnis.

Die Schauplätze der Ruhrtriennale sind die herausragenden Industriedenkmäler der Region, die jedes Jahr in spektakuläre Aufführungsorte für Musik, Visuelle Künste, Theater, Tanz und Performance verwandelt werden. Im Zentrum stehen zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, die den Dialog mit den Industrieräumen und zwischen den Disziplinen suchen. Der Intendantenwechsel im Rhythmus von drei Jahren verleiht dem Festival immer neue Impulse. Unter der künstlerischen Leitung von Heiner Goebbels (2012 – 2014) wurde die Ruhrtriennale zu einem Laboratorium und einer offenen Plattform für aktuelle Entwicklungen der internationalen Szene.