NOW! Parallelwelten


Mit außergewöhnlichen Konzertsituationen stellt das Essener Festival „NOW!” 2014 die Hör- und zum Teil auch die Sehgewohnheiten auf die Probe. Unter dem Titel „Parallelwelten” bekommt man bei den aufgeführten Klassikern der Neuen Musik, aber auch in den Auftragskompositionen einen anderen Blick auf scheinbar Vertrautes.


Der Mensch hat sich dank seines Verstandes und seiner Fantasie schon immer in fremde Welten katapultiert. Dementsprechend haben sich stets auch in der Kunst die Mittel verändert, mit denen man zu neuen, unbekannten Flucht- und Sehnsuchtsorten vorgedrungen ist. Da wurden etwa ab der Renaissance illusionistische Panoramen auf Wände gemalt, die irgendwann zum Kino führten. Und unter den musikalischen Gattungen schafft es seit Jahrhunderten das Gesamtkunstwerk Oper, für ein paar Stunden eine völlig andere Wirklichkeit vor den Augen und Ohren entstehen zu lassen. Doch mittlerweile haben sich auch im klassischen Konzertsaal die Wahrnehmungsgrenzen verändert. Da kommen elektronische Klänge, Videos und Lichtchoreografien zum Einsatz. Oder man durchbricht den konventionellen Aufführungsraum, indem man der Musik buchstäblich die Türen öffnet.


Der amerikanische Komponist Michael Gordon hat etwa Beethovens siebte Sinfonie einer spektakulären Reflexion unterzogen. In ihren Orchester-Werken schaffen Orm Finnendahl und Oliver Schneller völlig neue Aufführungssituationen. Und neben kammermusikalischen Augenzwinkereien von Mauricio Kagel sowie Nicolaus A. Huber, dessen 75. Geburtstag man feiert, werden bei der vierten "NOW!"-Ausgabe zum ersten Mal auch szenische Produktionen präsentiert. So bricht die Kölner Musikfabrik mit der Musik- und Animationsfilm-Performance „Krazy Kat“ von Paul Barritt, David Lang und Oscar Bettison in die Welt des Comics auf!


Und während das Frankfurter Ensemble Modern zu drei Stummfilmen von Charlie Chaplin Filmmusiken von Benedict Mason spielt, kann man in die leicht psychedelische Video-Oper "An index of metals" des Italieners Fausto Romitelli eintauchen. Auch dank regionaler und internationaler Ausnahmeinterpreten entdeckt man akustisch und visuell faszinierende Parallelwelten, die man so nicht für möglich gehalten hätte.


Allgemeine Informationen: www.philharmonie-essen.de