Richard Wagner
„Das Rheingold“ | Ruhrtriennale


In „Das Rheingold” scheint Richard Wagner die Geschichte des Ruhrgebiets zu erzählen: Eine Geschichte über Industrialisierung, Arbeit unter Tage, Kapitalismus und seine ökologischen, sozialen und psychologischen Folgen.


Der Zwerg Alberich raubt das Gold der Rheintöchter und schmiedet daraus in den Minen von Nibelheim einen Ring. Als er der Liebe abschwört, schenkt ihm der Ring grenzenlose Macht über die Welt. Mit einer List eignet sich Wotan den Ring an, um die Riesen bezahlen zu können, die für ihn und die anderen Götter die Burg Walhall gebaut haben. Aber Alberich verflucht den Ring. „Das Rheingold“ spiegelt die links-revolutionären Auffassungen, denen der junge Wagner um 1848 anhing. Er glaubte, dass die Kunst die Menschen durch die Schaffung von Mythen zusammenbringen kann. Über die Verschmelzung verschiedener Kunstformen wollte Wagner ein „mythisches Erleben“ auslösen, eine innere Umformung des Menschen.


Richard Wagner, Johan Simons, Teodor Currentzis, Mika Vainio: Das Rheingold | Photo: JU / Ruhrtriennale 2015


Wie können wir die revolutionäre Kraft von Wagners vielleicht radikalster und theatralischster Partitur wieder spürbar machen? Was können wir heute mit seiner antikapitalistischen Botschaft und mit seiner Idee des „mythischen Erlebens“ anfangen? Diese Fragen stellen sich der Regisseur Johan Simons und Teodor Currentzis, einer der eigenwilligsten Dirigenten unserer Zeit, in ihrer Version von „Das Rheingold“ – einer Kreation an der Grenze zwischen Oper, Theater, Installation und Ritual. Zusammen mit Mika Vainio, einst die eine Hälfte des experimentellen finnischen Techno-Duos Pan Sonic, schaffen sie in der Jahrhunderthalle Bochum (die gleichzeitig Walhall und Nibelheim sein kann) einen musikalischen Reflexionsraum, in dem Wagners Partitur aufgebrochen wird. Currentzis bringt für sein Wagner-Debüt sein dynamisches Orchester MusicAeterna aus Perm mit und dirigiert eine neue Sängerriege, die von dem jungen, imposanten finnischen Bass Mika Kares als Wotan angeführt wird.


Seit vielen Jahren unterstützt die Kunststiftung NRW die Ruhrtriennale und fördert ausgewählte Projekte des internationalen Festivals der Künste in der Metropole Ruhr. Dabei stehen seit einigen Jahren Produktionen des Musiktheaters im Fokus, die sich an kommunalen Theatern bzw. Opernhäusern aufgrund ihrer außergewöhnlichen Faktur kaum realisieren ließen. Die Kunststiftung NRW verbindet sich hier ganz im Sinne ihrer übergreifenden Förderphilosophie mit dem musiktheatralen Experiment und dem künstlerischen Wagnis.


Die Schauplätze der Ruhrtriennale sind die herausragenden Industriedenkmäler der Region, die jedes Jahr in spektakuläre Aufführungsorte für Musik, Visuelle Künste, Theater, Tanz und Performance verwandelt werden. Im Zentrum stehen zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, die den Dialog mit den Industrieräumen und zwischen den Disziplinen suchen. Der Intendantenwechsel im Rhythmus von drei Jahren verleiht dem Festival immer neue Impulse. Unter der künstlerischen Leitung von Heiner Goebbels (2012 – 2014) wurde die Ruhrtriennale zu einem Laboratorium und einer offenen Plattform für aktuelle Entwicklungen der internationalen Szene. Johan Simons, der niederländische Regisseur, leitet die Ruhrtriennale von 2015 – 2017 und stellt ihr das Motiv „Seid umschlungen“ voran - zwei Worte aus Schillers Ode „An die Freude“, die später von Beethoven in seiner 9. Sinfonie vertont worden ist. Die Ruhrtriennale macht mit „Seid umschlungen“ eine Geste der künstlerischen, gesellschaftlichen und geographischen Umarmung.


Allgemeine Informationen: www.ruhrtriennale.de