Förderprojekte 2016 – Auswahl


Die Musiklandschaft in Nordrhein-Westfalen wird zuallererst durch die vielfältigen Aktivitäten der Künstlerinnen und Künstler gestaltet. Im Rahmen ihrer Einzelprojektförderung engagierte sich die Kunststiftung auch im Jahr 2016 für die Entfaltung herausragender künstlerischer Potentiale, indem sie Kompositionsaufträge, z.B. an Matthias Krüger, Michael Reudenbach, Robert HP Platz und Atac Sezer vergab, oder CD-Produktionen, z.B. die Folgeauflage von Jarry Singlas „Eastern Flowers“, „Klavierwerke um den russischen Futurismus“ und „Der Komponist Gerd Zacher“ (beide bei Cybele), als auch Buchpublikationen finanzierte. Musik braucht darüber hinaus die Aufführung, den direkten Kontakt im Live-Konzert mit dem Publikum. Daher bildet die landesweite Konzertförderung – mit Musik von der Renaissance bis in die Gegenwart – einen wesentlichen Schwerpunkt der Förderung. Besondere Highlights bildeten in 2016 „DARKNESS 1816“ im Schlosspark Benrath, Konzertreihen renommierter Ensembles wie „Die Kölner Akademie“ und „l’arte del Mondo“ und „Lucio Cornelio Silla“ in Kooperation mit den Göttinger Händel-Festspielen und den Herner Tagen für Alte Musik.


Gemeinsam mit dem NRWKULTURsekretariat realisiert die Kunststiftung NRW seit 2005 den Fonds experimentelles Musiktheater. Der Fonds ermöglicht es, einer frei produzierenden Gruppe von KünstlerInnen, in den Strukturen eines kommunalen Theaters zu arbeiten und stellt entsprechende Produktionsmittel zur Verfügung. Freie Gruppe und städtisches Haus treten dabei in einen intensiven Erfahrungsaustausch über die unterschiedlichen Produktionsbedingungen. Im Idealfall entsteht daraus ein lebhafter Dialog zwischen den KünstlerInnen und dem Publikum über die Möglichkeiten eines aktuellen musikalischen Theaters. Musiktheater ist nicht allein Sache eines tradierten Repertoires, sondern eine künstlerische Ausdrucksform, die neue Erfahrungsräume in und durch Gegenwart erschließt. Die aktuelle Produktion ist das mehrteilige und prozessorientierte Projekt „ingolf“ von Daniel Kötter, Hannes Seidl und Rahel Kesselring: Nach „ingolf lebt allein“ im April 2016 und „ingolf geht arbeiten“ im September 2016 wurde die außergewöhnliche fExm-Produktion unter dem Titel „ingolf“ am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier im Oktober 2016 mit „ingolf wohnt“ fortgeführt.


Das Musikland Nordrhein-Westfalen erhält durch zahlreiche Festivals nationale und internationale Strahlkraft. Die Kunststiftung NRW trägt zur inhaltlichen Profilschärfung einzelner Festivals mit besonderen Förderaktivitäten bei. So ermöglichte sie beim moers festival 2016 das einjährige Engagement der improviser in residence Carolin Pook; bei den Festivals der neuen Musik „Acht Brücken“ in Köln und „now!“ in Essen förderte die Stiftung ausgewählte thematische Schwerpunkte, wie zum Beispiel das Komponistinnenporträt Galina Ustwolksja im Acht Brücken-Festival in Köln.  Beim Beethovenfest Bonn begleitete die Kunststiftung NRW die Neuausrichtung hin zu einem Festival der Künste durch das Koproduktionsprojekt mit der Kölner Philharmonie „Kollaborationen – Postmodern Dance“; beim Schumannfest Düsseldorf stand mit DARKNESS  die Klangkunst im Fokus der Förderung.


Die Professionalisierung junger MusikerInnen und KomponistInnen stelle auch in 2016 ein besonderes Anliegen innerhalb der Förderaktivitäten der Stiftung dar. Daher bot die Kunststiftung NRW ein Stipendienprogramm an, das der jungen Szene aus Nordrhein-Westfalen u.a. Residenzen im Künstlerdorf Schöppingen (Ansgar Beste und Valerio Sannicandro), bei den Stockhausen Kursen in Kürten, der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA) in Frankfurt/Main und der Lucerne Festival Academy ermöglichte. Darüber hinaus unterstützte die Stiftung die Europäische Akademie der Künste in Montepulciano. Das 2014 neu entwickelte Hans Werner Henze Fellowship eröffnet jungen KünstlerInnen Freiräume für künstlerische Forschung und Ausbildung weltweit.  Erfolgreicher Höhepunkt dieses Projektes war im Mai 2016 die Jubiläumsfeier zum 15jährigen Bestehen der Europäischen Akademie für Musik und Darstellende Kunst im italienischen Montepulciano Palazzo Ricci. Aus diesem Anlass fanden unter der Schirmherrschaft von Herrn Außenminister Frank-Walter Steinmeier zahlreiche Konzerte und ein Kolloquium zum Thema „Kulturpolitische Interaktionen zwischen Italien und Deutschland“ statt. Die Kunststiftung NRW hat dieses Ereignis fördernd unterstützt, da zahlreiche junge Musikerinnen und Musiker aus Nordrhein-Westfalen daran teilnehmen konnten. Am 26. und 27. September 2016 schrieb die Kunststiftung NRW mit der Veranstaltung „Spiegelungen – Rispecchiamenti“ das bedeutende Thema des künstlerischen Transfers zwischen Italien und Deutschland fort. Im Rahmen von zwei Konzerten standen Kompositionen von Hans Werner Henze, Luigi Nono, Luca Lombardi und Manfred Trojahn auf dem Programm; es spielte das Minguet Quartett. Ein kulturpolitisches Forum des WDR vertiefte die Fragestellungen in einer Gesprächsrunde mit Prof. Manfred Trojahn, Prof. Luca Lombardi, Dr. Michael Kerstan und Prof. Dr. Dietrich Kämper; die Moderation hatte Michael Struck-Schlien.