Spiegelungen – Rispecchiamenti


Hans Werner Henze ging Anfang der 1950er Jahre nach Italien. Der deutsche Komponist wollte sich nicht länger der geistigen Enge der Adenauer-Ära aussetzen; einer Zeit, die die Augen vor den Greueltaten Nazi-Deutschlands verschloss und zahlreiche Denk- und Organisationsstrukturen des Faschismus in ungebrochener Kontinuität fortschrieb. Luigi Nono ging den umgekehrten Weg: Nach Studien in seiner Heimat Italien trat er in intensiven Kontakt zu den Vertretern der Neuen Musik in Darmstadt und Köln. Beide Komponisten blieben trotz unterschiedlicher musikalischer Herkunft in einem verbunden: der Gewissheit, dass Musik aufzuklären vermag über die Verfasstheit von Gegenwart; Musik besitzt politische Relevanz.


Den künstlerischen Transformationen, die Hans Werner Henze und Luigi Nono in der Begegnung mit dem jeweils „anderen“ Land vollzogen haben, gilt es – ebenso wie der politischen Dimension ihrer Arbeiten – nachzuspüren. Zugleich entfalten sich die Kreuzungen, Überkreuzungen und Fortschreibungen in einer nächsten Generation. Bei Manfred Trojahn (* 1949) werden die Italiensehnsucht und die kritische Beschäftigung mit den Traditionsbeständen italienischer Musik für zahlreiche Werke konstituierend, bilden indes nur einen Referenzort neben anderen. Luca Lombardi (* 1945) schließlich ist ein „Grenzgänger“, der seine musikalische Sprache in der Auseinandersetzung mit der italienischen Musik und jüdischen Traditionen entwickelte und zugleich Studien in Deutschland bei so unterschiedlichen Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Bernd Alois Zimmermann und Paul Dessau absolvierte.


Für den künstlerischen Transfer zwischen Italien und Deutschland wollen die beiden Konzerte und die Diskussionsrunde in der von der Kunststiftung NRW initiierten Veranstaltungsreihe neue Erfahrungs- und Klangräume seiner Musik eröffnen.


In Kooperation mit der Europäischen Akademie für Musik und Darstellende Künste Montepulciano.


Die Veranstaltungen sind öffentlich. Der Eintritt ist frei.


Montag, 26. September 2016


19.00 Uhr

Empfang


20 Uhr

Hans Werner Henze: Streichquartett Nr. 2 (1952)

Luigi Nono: „Fragmente – Stille. An Diotima“  für Streichquartett (1979/80)


Dienstag, 27. September 2016

18 Uhr

„… aus anderen Räumen, aus anderen Himmeln …“

Gesprächsrunde mit Prof. Dr. Dietrich Kämper, Dr. Michael Kerstan, Prof. Luca Lombardi und Prof. Manfred Trojahn.

Moderation: Michael Struck-Schloen


20 Uhr

Luca Lombardi: „Warum?“  Secondo quartetto per archi (2006)

Manfred Trojahn: Streichquartett Nr. 2 (in der Fassung ohne Klarinette und Sopran) (1979/80)


Es spielt das Minguet Quartett.


Johannes-Rau-Saal im Haus der Stiftungen

Roßstraße 133

40476 Düsseldorf


Am 30. September wird Henzes REQUIEM in der Tonhalle Düsseldorf aufgeführt. Weitere Informationen finden Sie hier:


www.tonhalle.de/reihen/reihe/Supernova1/Henzes-Requiem