Reiner Ruthenbeck | Serpentine Gallery London


Reiner Ruthenbeck (*1937) zählt zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern seiner Generation. Die Serpentine Gallery London präsentierte die erste große Werkschau des Künstlers in Großbritannien.


Schon während seines Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf fand er zu einer unverwechselbaren Sprache, die früh Anregungen aus dem Surrealismus und vor allem aus der Minimal- und Concept-Art aufgriff. Alltagsmaterialien wie Stoff und Metallstäbe, Asche und Papier, Kissen und Möbel verarbeitet er zu spannungsvollen Objekten und Rauminstallationen, die sich durch ihre anspielungs- und variantenreiche Formensprache und eine oft humorvolle Leichtigkeit auszeichnen. Ruthenbeck nahm mehrfach an der documenta und der Biennale Venedig teil und wurde 2006 mit dem renommierten Wilhelm Lehmbruck Preis der Stadt Duisburg ausgezeichnet.


Reiner Ruthenbeck | Installation view, Serpentine Gallery | Foto: © READS 2014


„In Großbritannien, wo der Eintritt in die Museen zumeist nichts kostet, diskutiert ein viel breiteres Publikum über Kunst als hierzulande. Zeitungsleser lassen sich sogar auf Reiner Ruthenbeck ein – im Vergleich mit den krawalligen Young British Artists ist der Deutsche ein doch eher trockener Künstler. Besucher von Ruthenbecks Schau in der Serpentine Gallery kommentierten in Leserbriefen vor allem seine Installation "Umgekippte Möbel": (...) "Ich habe es zu Hause ausprobiert", schrieb jemand dem "Daily Telegraph", "aber es stellte sich heraus, dass meine Frau solche künstlerische Leistung nicht würdigen kann.“


Sehr witzig! "Umgekippte Möbel" ist über 40 Jahre alt, und Ruthenbeck wollte damit weder provozieren noch lustig sein. Nicht nur in dieser Arbeit geht es ihm um die Schönheit alltäglicher Objekte und einen neuen Blick auf sie. Die Reaktionen auf die Installation zeigen, wie effizient der heute 77-Jährige Wirkung herstellen kann. Immer noch. (...)


Erstaunlich, dass die britischen Leserbriefschreiber nicht die Germanness der Schau hervorhoben. Ruthenbeck machte im Umfeld von Joseph Beuys und der Zero-Gruppe in Düsseldorf seine ersten Schritte als Künstler. (...)


Ruthenbeck stand international immer etwas im Schatten, diese Schau – ein erster umfassender Überblick in Großbritannien – ist (...) so etwas wie ein Aufhellungsversuch. Überfällig.“


Aus: „Stiller Krawall“, MONOPOL, Magazin für Kunst und Leben


Allgemeine Informationen: www.serpentinegalleries.org