Daniel Buren |
Kunsthalle
Recklinghausen


Das Spielfeld Daniel Burens ist überwiegend der öffentliche Raum, in den er seine Streifenmuster setzt – als Provokation aber auch als Akzentuierung und Sichtbarmachung der besonderen Charakteristika des Raumes und des Ortes.


Er beginnt in den 1960-er Jahren. Er organisiert einen Protestmarsch, bei dem die Teilnehmer Transparente tragen, Schilder auf denen nichts zu lesen ist und nichts zu identifizieren ist – nur Streifen. Ein Protest ohne Inhalt – könnte man meinen, eine rein ästhetische Prozession. Und doch ist Buren ein hochpolitischer Künstler. Denn er hinterfragt auch sich selbst in der eigenen politischen Haltung und im eigenen politischen Verhalten. Er hinterfragt die Lebensbedingungen der modernen Welt. Er löst die starren architektonischen Grenzen sichtbar auf. Und er löst damit auch Gewohnheiten, insbesondere Sehgewohnheiten auf und eröffnet einen Raum der Freiheit. Phantasie und Assoziation ersetzen die bloße Funktionalität. Seit einigen Jahren verwendet Buren auch farbiges, durchscheinendes Glas, die wie Farbfilter wirken. Er verwandelt die urbane Architektur, gibt ihr ein neues Gesicht – und das, ohne den materiellen Bestand zu verändern. Den Grand Palais in Paris hat er so verzaubert, das Museum Moderner Kunst in Straßburg und das Neue Museum in Nürnberg. Und im Jahre 2013 hat er im Landschaftspark Duisburg Nord auf dem Gelände des alten Stahlwerks, eine düstere Passage, in ein farbiges Lichtspiel getaucht und damit die Industrieruine zu neuem Leben erweckt.


Auch Burens Arbeit auf der großflächigen Glasfassade des Ruhrfestspielhauses folgt diesem Konzept. Der Künstler nimmt und begreift die von Auer, Weber und Partner entworfene Festspielhausarchitektur, wie sie sich darbietet. Er bringt die weite, helle Eingangshalle zur Geltung, indem er deren Licht und Farben in direkt auf die Verglasung aufgebrachten farbigen Folien einfängt. So verändert Buren die Wahrnehmung der markanten Fassade von außen sowie das Erleben des Innenraums radikal. Die farbigen Flächen spiegeln sich auf den gegenüberliegenden Wänden und auf dem hellgrauen Boden wider - je nach Wetter oder Tageszeit ergeben sich unterschiedliche Stimmungen und durch das Farbenspiel ein anderes Erleben des Festspielhausfoyers. „Wie oft bei meiner Arbeit“, sagt Daniel Buren, „hängt das Werk nicht nur vom Ort ab, sondern auch von Klima und Licht, Sonne, Wolken, Regen usw. All diese Witterungszustände prägen das Werk, und es ist das Zusammenspiel ihrer verschiedenen Wirkungen, das letztlich das Werk ausmacht; auch wenn jeder einem bestimmten Zustand den Vorzug geben würde.“


Einmal mehr zeugt auch dieses In-situ-Werk von Burens intensiver Auseinandersetzung mit den architektonischen Gegebenheiten des Ortes und untermauert zugleich seine bildnerische Position: „Ich pflege einen ständigen Dialog mit der Architektur, sie beschäftigt mich tagtäglich Und mit den Jahren wächst mein Interesse für dieses Gebiet. Mich interessieren ihre kühnsten Vorstöße, und ich interessiere und begeistere mich für die wunderbaren Bauwerke aus Vergangenheit und Gegenwart überall auf der Welt, aber mehr noch interessiert mich die Verantwortung, die ein anderer, leider viel häufiger anzutreffender Architekturtyp, für die Verzweiflung des Menschen trägt. In dieser Art von Architektur, die vor allem in den sogenannten entwickelten Gesellschaften zu beobachten ist, mussten und müssen Menschen noch heute leben. All diese bei zahllosen Reisen um die Welt gemachten Beobachtungen inspirieren und empören mich jeden Tag gleichermaßen.“


Daniel Buren, 1938 in Boulogne-Billancourt geboren, lebt und arbeitet in Paris. Er war vertreten u. a. auf der documenta in Kassel, der Biennale in Venedig, der Triennale von Yokohama und auf den Skulpturenprojekten in Münster.


Allgemeine Informationen: www.kunsthalle-recklinghausen.com