Der Stoff aus dem die Träume waren | Kunsthalle Münster


Die Kunsthalle Münster zeigt von Oktober 2015 bis Februar 2016 eine komplexe Rauminstallation des Schweizer Künstlers Nic Hess mit dem Titel „Der Stoff aus dem die Träume waren“. Das Projekt wurde mit Unterstützung der Kunststiftung NRW realisiert.


Nic Hess: Der Stoff aus dem die Träume waren, Kunsthalle Münster, 2015/2016 | Foto: Gerhard H. Kock


Der Schweizer Künstler Nic Hess entnimmt die Motive seiner großformatigen Zeichnungen aus den verlockenden Bildwelten von Werbung, Konsum und Tourismus, aber auch aus moderner Architektur und den Ikonen jüngerer Kunstgeschichte. Collageartig zusammengeschnitten und geschichtet verliert das Allgemeingut vornehmlich westlicher Kultur seine individuellen Bedeutungen. In zum Teil extremer Vergrößerung und einer Installation vergleichbar, überschreiben die Zeichnungen ihre Umgebung und verunsichern damit die räumliche Orientierung, auch wenn sie ortsspezifisch angelegt sind.


Nic Hess: O.T., 2015, Klebfolien auf Offsetdruck 240x125cm, Der Stoff aus dem die Träume waren, Kunsthalle Münster, 2015/2016 (Detail) | Courtesy: Der Künstler, Philipp von Rosen Galerie, Köln und Grieder Contemporary, Zürich | Foto: Ruth Erdt, Zürich


Dass sie nicht zu tieferen Sinnschichten hinuntertauchen, sondern in ihrer Flüchtigkeit faszinieren und den smarten Oberflächen sowie den nervösen Sehgewohnheiten unserer Gegenwart verwandt erscheinen, ist nicht zuletzt den verwendeten Arbeitsmaterialien selbst geschuldet: handelsübliche, farbige Klebebänder und bedruckte Folien oder Papierbahnen. So lenken die Zeichnungen neben aller freigesetzten Assoziationslust die Aufmerksamkeit auch auf die Bedingungen ihrer Entstehung und die kurze Dauer ihres exklusiven Auftauchens am Ausstellungsort. Darin befragen die Arbeiten von Nic Hess die ästhetische Qualität des Provisorischen und laden zu einer Reise bildgesteuerter Wahrnehmung ein, die mit der Bewegung im Raum beginnt.


Nic Hess: O.T. 2015, Klebbänder und Offsetdruck 240x200cm, Der Stoff aus dem die Träume waren, Kunsthalle Münster, 2015/2016 (Detail) | Courtesy: Der Künstler, Philipp von Rosen Galerie, Köln und Grieder Contemporary, Zürich | Foto: Ruth Erdt, Zürich


Für die Kunsthalle Münster hat Nic Hess eine sämtliche Wandflächen füllende Rauminstallation konzipiert. Neue und bestehende Arbeiten bilden eine Gemengelage aus erstmals überwiegend schwarz-weißen Darstellungen – Bildsequenzen der Automobil- und Reiseindustrie, die ganz unterschiedlich unsere Emotionen ansprechen mögen. Ohne Zentrum und Rahmensetzung öffnet sich ein begehbares Panorama, das entgegen seines überbordenden Angebotes an Seherfahrungen, die Begrenztheit kulturell geprägter Weltbilder vor Augen führt. Gewissermaßen bietet sich der bildgewordene Prolog einer zuversichtlichen Lebenswelt. Nur ist ihre visionäre Zukunft hier ganz offensichtlich vergangen, noch ehe sie Gegenwart werden konnte.


Nic Hess: Ei-land, 2013, Leuchtkasten, 100x100 cm Der Stoff aus dem die Träume waren, Kunsthalle Münster, 2015/2016 | Foto: Gerhard H. Kock


Nic Hess wurde 1968 geboren, er lebt und arbeitet in Zürich. Einzelausstellungen (Auswahl): Grosser Fahrplan für eine kleine Stadt, Grieder Contemporary, Zürich, CH (2015); highways and byways. together again, Daimler Contemporary, Berlin, DE (2014); Archivo teatral, Figge von Rosen Galerie, Berlin, DE (2014); The Birds (For Lilou), Swiss Institute, New York, US (2012); Automatic Crash Response, Armand Hammer Museum, Los Angeles, US (2009); Wall, Muri (mit Frederico Herrero), Fondazione Bevilacqua, Venedig, IT (2006). Gruppenausstellungen (Auswahl): Toys Redux – On Play and Critique, Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich, CH (2015); Pictures about Pictures, MUMOK – Museum Moderne Kunst, Wien, AT (2010).


Allgemeine Informationen: www.muenster.de/stadt/kunsthalle/