Sehnsucht Finnland | Gustav-Lübcke-Museum Hamm


Das Gustav-Lübcke-Museums in Hamm krönt sein Premieren-Jahr nach umfassender Renovierung mit der Neueinweihung aller Dauerausstellungsbereiche durch eine von der Kunststiftung NRW geförderte Sonderschau: „Sehnsucht Finnland“ heißt sie und zeigt rund 70 um 1900 entstandene skandinavische Meisterwerke aus der renommierten Gösta Serlachius Kunststiftung, eine der größten und bekanntesten Privatsammlungen Finnlands, die zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sind.


Albert Edelfelt, Am Ankerplatz in Kopenhagen, 1890| Copyright: Gösta Serlachius Fine Arts Foundation


Im Mittelpunkt der Hammer Ausstellung, die vom 18. Oktober 2015 bis zum 20. März 2016 gezeigt wird, steht das sogenannte „Goldene Zeitalter“ finnischer Malerei, also die Zeit zwischen 1880 und 1920, und damit gleichzeitig der Aufbruch und die Hinwendung der skandinavischen Malerei zur Moderne – eine Gelegenheit, den zeitgenössischen Strömungen um 1900 wie dem Realismus, dem Impressionismus oder dem Symbolismus in ganz eigener Ausprägung zu begegnen.


Akseli Gallen-Kallela, Frühling, 1902 | Copyright: Gösta Serlachius Fine Arts Foundation


Dass die finnische Kunststiftung in dieser Epoche ihren Schwerpunkt hat, verdankt sie dem aufgeschlossenen Industriellen Gustaf Adolf Serlachius. Der Mäzen begann um 1900 damit, Kunst zu sammeln und war dabei sehr offen für die modernen Künstler seiner Zeit. Vor allem war er befreundet mit dem Maler, der heute als der finnische Nationalmaler schlechthin gilt, Akseli Gallen-Kallela, so dass zahlreiche von dessen Bildern Eingang in die Sammlung fanden. Gustaf Adolfs Neffe Gösta führte die Sammeltätigkeit seines Onkels fort, gründete offiziell eine Kunststiftung und strebte danach, in Mänttä in der Nähe der familieneigenen Papierfabrik ein eigenes Museum einzurichten für eine exquisite Sammlung, die inzwischen über 7.000 Werke umfasst.


Hugo Simberg, Tanz auf dem Anleger, 1903 | Copyright: Gösta Serlachius Fine Arts Foundation


Rund 30 verschiedene Maler sind in der Ausstellung mit dem Titel „Sehnsucht Finnland – Skandinavische Meisterwerke um 1900“ vertreten. In Finnland und den nordischen Ländern sind diese Künstler größtenteils sehr bekannt und waren es zu ihren Lebzeiten auch in Deutschland. Viele Maler studierten um die Jahrhundertwende 1900 in Paris und knüpften dort internationale Kontakte, etwa zu Edvard Munch oder den Brücke-Künstlern, sie waren auf den Weltausstellungen sowie auf Präsentationen in ganz Europa vertreten. Heute sind ihre Werke außerhalb Skandinaviens eine echte Wiederentdeckung, in Finnland, Schweden oder Dänemark sind ihre Namen jedoch auch jetzt noch in der Kunstszene sehr geläufig und Garanten für hohe Qualität. Zu den Künstlern der Ausstellung gehören neben Akseli Gallen-Kallela viele bekannte Maler wie Albert Edelfelt, Hugo Simberg, Pekka Halonen, Elin Danielson-Gambogi, Helene Schjerfbeck, Magnus Enkell, Eero Nelimarkka, Juho Rissanen, Verner Thomé oder Victor Westerholm. Darüber hinaus umfasst die Sammlung Serlachius auch einige weitere skandinavische Maler, die mit den Kollegen aus Finnland im Austausch standen, etwa Bruno Liljefors oder Anders Zorn. Gemeinsam erlauben die Bilder einen breiten Überblick über das Finnland der Jahrhundertwende.


Akseli Gallen-Kallela, Landschaft in Kuhmo, 1890| Copyright: Gösta Serlachius Fine Arts Foundation


Motivisch finden sich weite, scheinbar unberührte Landschaften, Seestücke von der Küste, Bildnisse der noch ganz in alten Traditionen verwurzelten Einwohner ebenso wie Einflüsse der um sich greifenden Industrialisierung, die typisch finnischen Saunagänger oder ausdrucksstarke Stillleben. Sie überzeugen durch malerische Ansichten, einmalige Stimmungen, atmosphärische Symbolik, frische Bildausschnitte, einfühlsame Porträts sowie leuchtende Farben.


Victor Westerholm, Robbenjagd, 1900| Copyright: Gösta Serlachius Fine Arts Foundation


Allgemeine Informationen: www.hamm.de/gustav-luebcke-museum