Skulptur 2015 | Skulpturenmuseum Glaskasten Marl


Im und um das Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl ist „Skulptur 2015“ zu erleben. Das Projekt verzahnt die hochkarätige Sammlung mit eigens für die Ausstellung entstandenen neuen Arbeiten sowie ausgewählten Leihgaben im Museum. Mit vier neuen Installationen im Skulpturenpark und am Citysee von Bogomir Ecker, Selma Gültoprak, Pia Janssen und Jan Scharrelmann gemeint will man darüber hinaus die Kunst im öffentlichen Raum neu in den Blick rücken, denn ein Bestand von über 80 Skulpturen im Stadtraum gehört zum Kernprofil der Maler Sammlung, die beispielhaft auf raumbezogene Kunst ausgerichtet ist.


Johanna Reich, „Weiße Räume | M“, 2015 | Naturmaschine von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghof, 1969, Skulpturenmuseum Glaskasten Marl | Copyright: Johanna Reich


Die Marler Stadtmitte beherbergt eine so ungewöhnliche Dichte von hochklassigen Kunstwerken, dass sie jedem Besucher sofort auffällt, wenn er die Stadt besucht. Viele Einwohner von Marl sind mit den Skulpturen aufgewachsen, denn sie sind seit den frühen 1960er-Jahren immer in der Stadt präsent gewesen, lange bevor 1982 das Skulpturenmuseum gegründet wurde. Erwähnt sei etwa „Naturmaschine“ von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff aus dem Jahre 1969, die sicherlich eine der beliebtesten plastischen Werke in der Stadt ist. Generationen von Kindern sind auf ihr herumgeklettert, und mancher erwachsene Marler erinnert sich an seine eigene Kindheit, wenn er beim Vorbeigehen Kindern beim Spielen zusieht.


Vor diesem Hintergrund ist es ein Ziel der Ausstellung „Skulptur 2015“, zur Diskussion um eine Modernisierung des Begriffs von der sogenannten „Kunst im öffentlichen Raum“ beizutragen. Seit den Anfängen des Engagements für Skulpturen, die im Stadtraum aufgestellt wurden, hat sich nicht nur die Kunst verändert, sondern auch der öffentliche Raum selbst und seine Nutzung. Der öffentliche Raum wird generell immer stärker durch wirtschaftliche Interessen und Sicherheitsbestimmungen reguliert. Das große Potenzial (des tatsächlich ohne Einschränkungen) öffentlichen Raumes besteht in seiner Zugänglichkeit für eine nicht gefilterte Gemeinschaft – eine Skulpturenausstellung kann Aussehen und Nutzung des öffentlichen Raumes hinterfragen und dazu anregen, ihn wieder neu in Besitz zu nehmen.


Johanna Reich, „Weiße Räume | M“, 2015 | Skulptur: UM-GANG von Lutz Frisch, 1989, Skulpturenmuseum Glaskasten Marl | Copyright: Johanna Reich


Exemplarisch für diesen Aspekt der Schau ist der Beitrag von Johanna Reich: Weiße Leinwände transformieren den Umraum hinter 19 ausgewählten Außenskulpturen  für einen kurzen Moment in weiße Räume, die an den klassischen Innenraum eines White Cubes denken lassen. Die Skulptur wird ihrem gewohnten Umraum entrissen und tritt in den Vordergrund. Die weißen Wände verschwinden und geben einen neuen veränderten Blick auf Skulptur und Umgebung frei.


Vier neue Installationen sollen die Diskussion beleben: Während die Pferdeherde von Selma Gültoprak aus weißen Pferdehufen und -köpfen ebenso wie die in einem langen Bogen vom oberen Ende des Sees zum Creiler Platz aufgestellten hölzernen „Umhausungen“ mit dem Titel SPACE INVADER, eine als partizipatorische Stadtrauminszenierung angelegte skulpturale Installation von Pia Janssen, für die Ausstellungsdauer von „Skulptur 2015“ zu sehen sein werden, gibt es auch zwei auf Dauer aufgestellte neue Skulpturen.


Jan Scharrelmann hat für einen geschützten Standort im Marler Skulpturenpark einen homogenen Körper aus Edelstahl entworfen, der auf zwei Seiten bemalt ist. Die hochaufragende, kristalline Form scheint leicht umkippen zu können – doch die Skulptur würde auch ohne das massive Betonfundament stehen. Zwei Seiten hat der Künstler mit leuchtstarken Farbpigmenten bemalt – ein leuchtendes Hellblau, kombiniert mit intensivem Rosa hat eine enorme Fernwirkung und bildet mit seiner künstlichen Farbpalette einen starken Gegensatz zur umgebenden Natur.


Eine ganz andere Dialogsituation mit der Natur hat Bogomir Ecker für seinen Beitrag gesucht. Ausgangspunkt für seine Installation aus zwei großen roten Wolken war der größte Baum im Park, eine alte Eiche, an deren Äste er die geschwungenen Aluminiumkörper geradezu angeschmiegt hat. Die durchlöcherten roten Objekte in fast 10 Meter Höhe fallen schon von weitem sofort als Fremdkörper auf, nicht störend, sondern als selbstbewusste präzise Setzung im Dialog mit der Physiognomie des Baumes.


Genauso wichtig ist die Präsentation im Museum selbst, wo Leihgaben schon seit einigen Jahren regelmäßig und aus konzeptionellen Überlegungen heraus mit Skulpturen der Sammlung in eine Wechselwirkung gebracht werden. Es gibt meist keine strenge Trennung im traditionellen Sinn zwischen Sammlungspräsentation und Wechselausstellungen – die architektonischen Vorgaben der herausragenden, aber nicht für ein Museum konzipierten Architektur von van den Broek und Bakema aus dem Jahr 1966 erlauben es ohnehin nicht. kombiniert mit intensivem Rosa hat eine enorme Fernwirkung und bildet mit seiner künstlichen Farbpalette einen starken Gegensatz zur umgebenden Natur.


Johanna Reich, „Weiße Räume | M“, 2015 | Skulptur: Feuille se reposant von Hans Arp, 1959, Skulpturenmuseum Glaskasten Marl | Copyright: Johanna Reich


Beteiligte Künstler: Benjamin Bergmann, Hermann Breucker, Ingrid Dahn, Bogomir Ecker, Thomas Florschuetz, Aslan Gaisumov, Carla Guagliardi, Selma Gültoprak, Bernhard Heiliger, Pia Janssen, Martin Kaltwasser, Markus Karstieß, Mischa Kuball, Marlena Kudlicka, Katharina Monka, Johanna Reich, Thomas Rentmeister, Matthias Schamp, Jan Scharrelmann, Martin Schwenk, Max Schmitz, Kenneth Snelson, Albert Weis, chinesische Gelehrtensteine aus dem Museum DKM, Duisburg, Werke aus der Sammlung des Skulpturenmuseums Glaskasten Marl


Allgemeine Informationen: www.skulpturenmuseum-glaskasten-marl.de