TELE-Gen | Kunstmuseum Bonn


Die frühen 1960er Jahre waren ein Initialmoment für die Entwicklung des Fernsehens zum ersten visuellen Massenmedium und gleichzeitig der Auftakt für die künstlerische und theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema Fernsehen – schon vor Entstehung der Videokunst. Um diese Thematik kreist die von der Kunststiftung NRW geförderte Ausstellung.


Joe Biel , Veil (Detail), 2010-2015 | Courtesy Galerie Kuckei + Kuckei, Berlin | Foto: Matthew Gush


Wie lässt sich das scheinbar allmählich zu Ende gehende Fernsehzeitalter und seine visuelle Kultur aus der Sicht der Kunst beschreiben? Für die große Überblicksausstellung „TELE-Gen – Kunst und Fernsehen“ wurden 44 künstlerische Positionen von den frühen 1960er Jahren bis zur Gegenwart ausgewählt, die auf spannende Weise zeigen, wie sehr das Fernsehen unsere Sehgewohnheiten geprägt hat. Das „Prinzip Fernsehen“ wird dabei nicht in erster Linie im Kontext seiner technischen Massenmedialität verstanden, sondern als Instrument der Weltkonstruktion, als Denkraum und gesellschaftlicher Sinnstifter gleichermaßen. Diesem Ansatz folgend, beschränkt sich „TELE-Gen“ nicht auf Arbeiten der TV- und Videokunst im engeren Sinn, sondern verfolgt die Reflexion des „Televisuellen“ durch alle Gattungen. Besonders in den Blick genommen werden Motive wie das Fernsehstudio oder die Inszenierungsrituale der Talkshows, Soaps, Serien und das Infotainment der Nachrichtensendungen.


Christoph Draeger & Reynold Reynolds, The Last News, 2002 | Courtesy: The Artist, Lokal30, Warschau & Galerie Zink, Berlin


Die Ausstellung gliedert sich in insgesamt sieben über verschiedene Ebenen miteinander verschränkte Kapitel. Ein historischer Teil widmet sich den ersten künstlerischen Ansätzen der 1960er Jahre, die sich direkt mit dem Fernsehbild oder dem Fernsehgerät als Objekt auseinandersetzen und die Auswirkung des Fernsehens auf Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Film und Performance schon vor Beginn der Videokunst belegen. Ein zweiter Teil setzt in der zeitgenössischen Kunst an und beleuchtet die Auflösungserscheinungen des ehemals geradezu monolithischen Mediums Fernsehen im Zeitalter der Digitalisierung, Hybridisierung und Medienkonvergenz seit den frühen 1990er Jahren.


Harun Farocki, Ein Tag im Leben der Endverbraucher, 1993, Video | Courtesy: The Artist


Der TV-Kasten wurde als skulpturales Objekt bearbeitet (Günther Uecker, César) das Fernsehbild manipuliert und dekonstruiert (Nam June Paik, Wolf Vostell), es diente als Bildgenerator für Zeichnung, Malerei und Grafik (K.O. Götz, Lawrence Weiner, Paul Thek, Andy Warhol) oder als Motiv für Fotografie und Film (Lee Friedlander, Bruce Conner, Dennis Hopper). Ausgehend von dieser Geburtsstunde um 1963/64 schlägt die Ausstellung eine Brücke in die Gegenwart. Die Aufsplitterung des ehemals monolithischen Mediums spiegelt sich in Malerei, Zeichnung, Installation, Fotografie und Videokunst als gattungsübergreifende Verarbeitung des „Televisuellen“.


Lee Friedlander, The Little Screens, 1961–1970 | Foto: Egbert Haneke


Themenräume widmen sich der Analyse, Parodie und Subversion von Fernsehformaten: den seelischen Abgründen der  Talkshow (Christoph Schlingensief, Bjørn Melhus), dem Suchtfaktor von Serien (Mel Chin, Melanie Gilligan, Julian Rosefeldt), und der Informationsflut von News-Channels (Christoph Draeger/Reynold Reynolds, Christian Jankowski, Mischa Kuball, M + M, Ulrich Polster). Ebenso in den Blick kommen die Konstruktion von Studio-Sets (Thomas Demand, Michel François, Caroline Hake) und die im TV vorgeführten Opfer (Yvon Chabrowski, Stefan Hurtig).


Tobias Rehberger, No need to fight about the channel. Together. Leant back, 2009 | Foto: Wolfgang Günzel


Allgemeine Informationen: www.kunstmuseum-bonn.de