"Triumph ohne Sieg" | LWL-Römermuseum Haltern am See


Der spektakuläre Triumphzug des Germanicus und das Ende Roms in Germanien vor 2000 Jahren bilden den Ausgangspunkt für eine Sonderausstellung, die das LWL-Römermuseum in Haltern am See vom 2. Juni bis zum 5. November 2017 präsentiert. Im heutigen Haltern befand sich vor 2.000 Jahren mit dem Lager Aliso einer der wichtigsten Militärkomplexe der Römer, hier war eine der Schaltzentralen der römischen Macht. Seit 1993 ist das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ein Schauplatz renommierter Ausstellungsprojekte. Es stellt das 2.000jährige Jubiläum des Endes der Römer in Westfalen, im Jahr 17 n. Chr., in den Mittelpunkt der Sonderausstellung "Triumph ohne Sieg - Roms Ende in Germanien".



Bronzemünze des Caligula für Germanicus, Datierung: 37-41 n. Chr.



Portrait aus Marmor des Nero Claudius GERMANICUS. Foto: LWL/Arendt



Kaiser Tiberius kannte Germanien aus eigener Anschauung gut, er wusste, dass dieses Gebiet nicht reich an Bodenschätzen war und sah die erheblichen Verluste an Menschen und Material der vorhergegangenen Kriegsjahre. Auf geschickte Art hat er den dreijährigen, eigentlich nutzlosen und sieglosen Krieg seines Feldherrn Germanicus beendet und in einen Sieg umgewandelt, indem er Ende Mai 17 n.Chr. seinem Adoptivsohn einen grandiosen Triumphzug in Rom ausrichtet.



Dr. Rudolf Aßkamp vor Vitrine mit Figurengruppe, die einst an der Außenseite der der Triumphwagen angebracht war. Foto: LWL/Arendt



"Diese Wende bestimmt für die nächsten Jahrhunderte maßgeblich die Entwicklung der Gebiete westlich und östlich des Rheins", so LWL-Museumsleiter Dr. Rudolf Aßkamp. "Im Westen hält römische Kultur weiter ihren Einzug, Städte werden gegründet an den Orten der ehemaligen Legionslager Xanten, Köln, Bonn, Mainz. Östlich des Rheins bleibt die germanische Bevölkerung in ihren überkommenen Stammesstrukturen gefangen, und es beginnen die sogenannten dunklen Jahrhunderte."



Eingangsbereich der Ausstellung "Triumph ohne Sieg". Foto: LWL/Arendt




Vor diesem Hintergrund werden die Besucher im ersten Teil der Ausstellung zunächst zu Zuschauern des Triumphzuges für Germanicus in Rom. Der Triumph in Rom dient als spektakulärer Fixpunkt, um die damit verbundenen Ereignisse schlaglichtartig zu beleuchten.



Vitrinen in dem Abschnitt "Opfer" der Ausstellung. Foto: LWL/Arendt


Der zweite Teil lenkt den Blick auf die militärischen und politischen Entwicklungen in Germanien und die Zeit vor dem vermeintlichen Sieg des Germanicus. Funde aus den römischen Lagern entlang der Lippe wie etwa Haltern am See, Holsterhausen (beide Kreis Recklinghausen), Oberaden, Beckinghausen (beide Kreis Unna), Olfen (Kreis Coesfeld) und Anreppen (Kreis Paderborn) sowie zahlreiche Exponate von weiteren Fundplätzen in Germanien veranschaulichen die römischen Okkupationsbemühungen in Germanien.



Blütenblätter zum Triumph. Foto: LWL/Arendt



Der dritte Teil der Ausstellung widmet sich ganz dem "Römischen Triumph" und den Fragen, wer, wann und aus welchem Anlass im antiken Rom einen Triumphzug abhalten durfte - mit strengem Protokoll: Zuerst kamen im Zug Beute und Gefangene, dann der Triumphator mit Opfertieren und Behördenvertretern (Lictoren und Staatsbeamten) und schließlich die Armee. Es geht aber auch um die spätere Darstellung von Triumphzügen, zum Beispiel um die Darstellung der gefangenen Thusnelda, der Ehefrau des Varus-Bezwingers Arminius. Diese prominente Geisel im Triumphzug des Germanicus war in der Historienmalerei des 18. und 19. Jahrhunderts ein beliebtes Motiv.



Nero Claudius GERMANICUS, Porträt aus Marmor, Datierung: 2. Viertel 1. Jh. n. Chr., Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Schloss Erbach


Der letzte Teil bietet einen Blick in die Zukunft in Form der sogenannten kontrafaktischen Geschichtsschreibung - die Geschichtsdarstellung , die sich nicht mit dem befasst, was tatsächlich geschehen ist, sondern mit dem, was geschehen wäre, wenn sich die Ereignisse anders entwickelt hätten.

 

Ausstellung

 

"Triumph ohne Sieg" 

2.6.-5.11.2016


LWL-Römermuseum Haltern am See

Weseler Straße 100
45721 Haltern am See



Allgemeine Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.