Junge Szene:
Damaris Kerkhoff


Installationsansicht 21.07.2017, Foto: Jonas Gerhard


Über die Ausstellung „MUTTER?“ von Damaris Kerkhoff in der Simultanhalle Köln


MUTTER? Damaris Kerkhoff knüpft mit ihrer Ausstellung, die im Rahmen der „Jungen Szene“ von der Kunststiftung NRW gefördert wurde, an die Entstehungsgeschichte der Simultanhalle an, die 1979 auf einem ehemaligen Schulgelände in Köln-Volkhoven als Architektur-Modell des Museum Ludwigs errichtet wurde: Das von Peter Busmann und Godfrid Haberer konzipierte, mit zwei Sheddächern überwölbte Gebäude diente ursprünglich der Erprobung von Materialien wie Bodenbelägen und Wandverkleidungen und insbesondere zur Beobachtung und Planung der Lichtführung für den 1986 realisierten Museumsbau der Sammlung Ludwig in Köln. Damaris Kerkhoff (*1987) reflektiert die Simultanhalle in diesem Kontext als „Mutter“ eines Architekturkörpers.

Zwei schwarze Kugeln werden zum Ausgangspunkt in Kerkhoffs Installation: zunächst als Motiv auf der Einladungskarte, wo sie die Oberkanten der Sheddächer krönen – im realen Raum dann auf dem Asphalt neben dem Gebäude, als zwei schwarz kolorierte Styroporkugeln, die für kurze Zeit tatsächlich auf dem Dach der Simultanhalle montiert worden waren, doch nunmehr als Relikt dieser (unsichtbaren) Handlung am Boden verbleiben. Einzig eine Fotografie an der Eingangstür zur Halle verweist darauf, dass die Kugeln sich auf den Kuppeln befanden. Die Verschalung der Kugeln, also das Material, aus dem heraus sie geschnitten wurden, bildet die Substanz der im Innenraum der Simultanhalle präsentierten Ausstellungskörper.

So formen die weißen Styropor-Elemente eine skulpturale Landschaft auf dem rot gekachelten Steinboden und entwickeln in Reaktion auf die strenge architektonische Flächen-Gliederung des Raumes eine ganz eigene geometrische Dynamik, in der Raum kontinuierlich zwischen Innen und Außen, Positiv und Negativ, Formgebung und Abbild, Grundform und Gegenstück verhandelt wird. Die Cut-Outs, an denen zum Teil Schnittkanten und Bruchstellen aus dem Formgebungsprozess der Kugeln sichtbar sind, erscheinen im Gefüge von Wand, Boden, Fugen und gewölbter Decke als Figuren eines Narrativs. Das Licht fällt von oben in den Ausstellungsraum und strahlt vom weißen, stumpfen Material des Styropors auf die weiß getünchte Backsteinwand. In einem auf der Empore der Simultanhalle präsentierten Plexiglas-Körper spiegelt sich der Himmel.

Damaris Kerkhoff erzeugt in der Simultanhalle mit minimalen Eingriffen eine Setzung, bei der Material, Fläche, Körper und Raum zu einem ästhetisch-analytischen Gefüge verwachsen: Die den Titel gebende „Mutter“ wird hierbei von der Künstlerin als szenisch-konzeptuelle Idee in der Installation sichtbar und erfahrbar.


Text: Christina Irrgang



Die Ausstellung war vom 22. Juli bis zum 19. August 2017 in der Simultanhalle – Raum für zeitgenössische Kunst in Köln zu sehen.



Foto: Jonas Gerhard                   Foto: Jonas Gerhard


Foto: Jonas Gerhard                   Foto: Jonas Gerhard



Foto: Jonas Gerhard                   Foto: Jonas Gerhard