Hans Op de Beeck. The Silent Castle | Museum Morsbroich, Leverkusen


Hans Op de Beeck, einer der renommiertesten Künstler Belgiens (geboren 1969 in Turnhout, lebt in Brüssel) arbeitet multidisziplinär. In seinen Skulpturen und Raum greifenden Installationen, seinen großformatigen Aquarellen, in Animationen und Videos schafft er atmosphärisch dichte Szenarien, die stets vertraut und doch fremd wirken.


Ausgehend von der besonderen Atmosphäre des barocken Wasserschlosses Morsbroich inszeniert Hans Op de Beeck hier Werke der letzten zehn Jahre. Er arrangiert sie wie eine Reihe von offenen Bühnen, die der Besucher betreten kann – teils mit seinen Füßen, immer mit seinen Gedanken. Der Künstler entführt ihn in eine Welt, in der die Zeit still zu stehen scheint: The Silent Castle.



Hans Op de Beeck, Entrance, 2006, Skulpturale Installation: Mixed Media, 350 × 480 × 275 cm, Sammlung Goetz, München, © Hans Op de Beeck



Als wären sie von ihren Sockeln gestiegen, begegnen uns in Gips geformte Figuren wie selbstverständlich in den ehemaligen Wohnräumen des Schlosses. Sie sind in Gedanken oder Tagträume vertieft – in Räumen, in denen nun eigens verlegte Teppichböden die Schritte abfedern und die Geräusche dämpfen, wo Op de Beeck mit einer wesentlich auf Grau und Weiß reduzierten Farbigkeit eine Atmosphäre der Konzentration erzeugt.



Hans Op de Beeck, The Lounge, 2015 , Skulpturale Installation: Holz, Glas, synthetischer Gips, Pigment, Epoxidharz, 382 x 280 x 182 cm, © Hans Op de Beeck



Hans Op de Beeck schafft Räume der Introspektion, in die der Betrachter eintauchen und die er füllen kann mit seinen eigenen Erfahrungen, Erinnerungen und Assoziationen. Souverän agiert der Künstler wie ein Regisseur und erzeugt Spannung. Das Klavier ist stumm (Silent Piano, 2015), die Reitautomaten vor dem Supermarkt ruhen (Entrance, 2006), Seerosen überspielen den Blick in die Tiefe des unheimlich schwarzen Teichwassers (Pond, 2016). Doch der Betrachter spürt, dass jeden Moment etwas passieren könnte und sei es auch nur in seinem Kopf.



Hans Op de Beeck, Pond 400, 2016, Mixed Media, synthetischer Gips, Glas, 400 x 400 x 15 cm, © Hans Op de Beeck



Poetische Arbeiten wie die auf Aquarellen beruhende Animation Night Time (2014) führen an Orte zwischen Realität, künstlerischer Setzung und Phantasie. Wie die leeren Sets seiner Installationen bezaubern und überwältigen diese fühlbar verlassenen Orte den Betrachter zunächst mit ihrem Detail- und Einfallsreichtum. Doch im nächsten Moment befremden sie ihn, werfen ihn auf sich selbst zurück und entlassen ihn in eine Stille, die zur Selbstbesinnung anregt. Op de Beecks durch und durch artifizielle Welten werden zu Zufluchtsorten einer Selbstwahrnehmung jenseits oberflächlicher Selbstbespiegelung.



Hans Op de Beeck, Lucas, 2016, Polyester, synthetischer Gips, 144 x 42 x 32 cm, Peter and Dorothee Leibinger, © Hans Op de Beeck



Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden und in Kooperation mit der Sammlung Goetz, München, die neben dem Studio Hans Op de Beeck Hauptleihgeberin ist.



Hans Op de Beeck, Bachelor Still Lives, 2006 (Detail), Serie von 3 Skulpturen: Stahl, Polyester, synthetischer Gips und Mixed Media, Sammlung Goetz, München, © Hans Op de Beeck



Allgemeine Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.