Henrike Naumann, Urbane Künste Ruhr, Dortmund


Credit: Henning Rogge / Urbane Künste Ruhr



In ihrer Arbeit reflektiert Henrike Naumann die Geschichte rechtsextremer Gewalt in Deutschland und die Ursachen rassistischer Vorurteile. Naumann interessiert sich für die Mechanismen von Radikalisierung und die Frage, wie diese mit persönlicher Erfahrung und Jugend verknüpft sind. Besonderen Fokus legt sie auf das Spannungsfeld zwischen politischer Meinungsbildung und Alltagsästhetik. In ihren Installationen schafft sie szenografische Räume, oft in Verbindung mit Video und Sound. Durch die Inszenierung einer privaten Umgebung erzeugen sie auf subtile Art eine nicht selten beklemmende Stimmung in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Für das Ruhr Ding entwickelt die Künstlerin eine begehbare Rauminstallation, welche Umsturzphantasien als inhaltlichen Ausgangspunkt nimmt. 


Im Kino tritt der Tag X ständig ein: Naturkatastrophen, Seuchen oder der Kollaps des globalen Finanzmarkts führen dazu, dass Versorgungs- und Schutzsysteme zusammenbrechen und Menschen ihr Leben verteidigen müssen. Doch was sich nach dystopischem Blockbuster anhört, ist reale Angst: Die sogenannte Prepper-Szene (von engl. to prepare – vorbreiten) legt Lebensmittelvorräte an und sammelt potentielle Tauschware, die im Ernstfall das Überleben sichern könnten. Noch sehr viel radikaler agierte das Ende 2018 aufgedeckte rechtsextreme Netzwerk aus Bundeswehrsoldaten, Polizisten und Mitarbeitern des Verfassungsschutzes um einen Hauptfeldwebel, der in Chatforen unter dem Namen Hannibal bekannt war. Dieses bereitete sich mit der Anschaffung von Waffen und Kampftrainings über Jahre hinweg auf eine Machtübernahme nach dem Tag X vor.


Henrike Naumann (*1984, lebt in Berlin) richtet am Dortmunder Friedensplatz einen Prepper-Laden aus gebrauchter Einzelhandelseinrichtung und Wohnaccessoires ein. Statt Waffen und Tauschware werden hier Haushaltsgeräte, insbesondere Designklassiker der 1980er- und 90er-Jahre angeboten. Das Interesse an dem Verhältnis zwischen der Ästhetik privater Wohnräume oder Geschäftseinrichtungen und politischer Meinungsbildung bis hin zur Radikalisierung zieht sich wie ein roter Faden durch Naumanns Werk. Auch in der Rauminstallation Tag X bringt sie beides in einen direkten Zusammenhang: In postmoderner Ladeneinrichtung finden sich u. a. Design-Zitronenpressen als Waffen zur Selbstverteidigung. Symbole bürgerlichen Wohlstands und wirtschaftlicher Sicherheit werden zur Kampfausrüstung.


"Tag X" wird gefördert durch die Kunststiftung NRW.


Text: Urbane Künste Ruhr / cd


Credit: Henning Rogge / Urbane Künste Ruhr



Credit: Henning Rogge / Urbane Künste Ruhr



Ausstellungsdauer


Henrike Naumann

Tag X

Ruhr Ding: Territorien / Urbane Künste Ruhr

4. Mai bis 30. Juni 2019


Friedensplatz 7

44135 Dortmund



Credit: Henning Rogge / Urbane Künste Ruhr





Kunst für alle. Das Ruhr Ding, Eine Westart Reportage von Claudia Kuhland, WDR, 20.5.2019



Credit: Henning Rogge / Urbane Künste Ruhr

 

 



Urbane Künste Ruhr, Henrike Naumann