Rheim Alkadhi, Temporary Gallery, Köln


Rheim Alkadhi: Surviving Majnoon, 2019



Mit unterschiedlichen Medien nähert sich die Ausstellung “Majnoon Field” ihrem zentralen Thema, dem Majnoon-Ölfeld im Südirak. Das Ölfeld Majnoon („verrückt“ auf Arabisch) wurde in den 1970-er Jahren von einem brasilianischen Schürferteam entdeckt und zeugt von der entfesselten, unersättlichen Gier nach Kapital – tatsächlich wurde die Produktionsleistung bereits für die nächsten hundert Jahre im Voraus berechnet. Aber das Ölvorkommen erstreckt sich auch entlang der minenreichen Grenze zum Iran, in einer Zone, in der sich die Erdölgewinnung durch große Konzerne und internationalen Waffenhandel immer wieder in einem kriegerischen Szenario zu verschwören scheinen.


Als Ausstellung möchte “Majnoon Field” die größeren, planetaren Zusammenhänge verstehen. Beim Betreten des Raums erinnern Skulpturen an einen Palmenhain im Schatten der Verunreinigungen; daneben Tonaufnahmen von „Erdarbeiter*innen“, die sich zum Dienst melden; im Vorführraum dokumentiert ein Video das Geschehen in den Sümpfen des Südens und den daran angrenzenden Ackerflächen – am Horizont brennende Ölquellen; an wieder anderer Stelle wird eine innere Landschaft mit skulpturalen Zeichen für das Denken, Fühlen, Lieben, Erinnern – also einfach für das Bewohnen – verknüpft. Die Ausstellung lädt das Publikum zum Eintauchen ein.


Rheim Alkadhi ist eine interdisziplinäre Künstlerin, die unter unbeständigen Bedingungen konstant zwischen sich verändernden kulturellen und sozialen Kontexten arbeitet. Auf poetische Weise eröffnet sie vielschichtige Perspektiven auf Ökologie, Grenzen, Migration, Genderthematiken und die Intimität sozialer Beziehungen, die Sehgewohnheiten hinterfragen. Alkadhi wurde in New York geboren, sie lebte im Irak und in den Vereinigten Staaten. Sie absolvierte ein Studium an der University of California in Irvine und an CalArts in Valencia, erhielt zahlreiche Stipendien und nahm an vielen Artist-in-Residence-Programmen teil. Ihre jüngsten Aktivitäten umfassen Feldforschung über verschiedene Diaspora Gemeinschaften sowie Live-Präsentationen. Ihre Textarbeiten sind etwa im aktuellen Katalog zu Natascha Süder Happelmanns deutschem Pavillon auf der Biennale Venedig enthalten, und demnächst erscheint in Third Text der Artikel „The Injustice of the Colonial: A Museology to Rage the Senses”. Die Künstlerin ist zurzeit in Berlin ansässig.


Die Ausstellung ist die erste Einzelausstellung von Rheim Alkadhi in Europa. Sie wird begleitet von einem öffentlichen Programm, einem Katalog und einer Kurzgeschichte von Haytham El-Wardany.
Kuratorin: Aneta Rostkowska 


Text: Temporary Gallery



Ausstellungsdauer:


Rheim Alkadhi: MAJNOON FIELD

31. August bis 15. Dezember 2019


Temporary Gallery

Zentrum für zeitgenössische Kunst

Mauritiuswall 35

50676 Köln