Thomas Schütte Pavillon, Krefeld


Thomas Schütte, Foto: Projekt MIK ev



Die begehbare Skulptur ›Pavillon‹, die Thomas Schütte für Krefeld entworfen hat, ist eine Holzkonstruktion mit einer einfachen, schnell zu erfassenden Grundform. Sie zeigt bei einem Durchmesser von immerhin 15 Metern eine für einen solchen Gebäudetyp angemessene Leichtigkeit. Dazu tragen der zurückspringende Sockel, das hoch angesetzte Fensterband, die Dachlaterne und nicht zuletzt die leicht geschwungenen Dachsegmente bei, welche der Form einen Hauch von Chinoiserie verleihen. Der Innenraum kann in acht einzelne Abteilungen gegliedert werden. Diese Aufteilung des Raums vereinfacht eine Nutzung als Informationspavillon für das Bauhaus-Jubiläum. So sind klar getrennte ›Kapitel‹ bei der Präsentation der zu vermittelnden Informationen möglich.


Der Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte, Jahrgang 1954, gehört seit Langem zu den international wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Sein Werk umfasst Skulpturen in unterschiedlichen Medien, Zeichnungen und Grafiken sowie seit einigen Jahren auch Architektur. Nach dem Studium bei Fritz Schwegler und Gerhard Richter an der Kunstakademie Düsseldorf hat er Anfang der 1980er-Jahre begonnen, die Werkform des Modells, genauer des Architekturmodells, für sich zu entdecken und zu einer eigenständigen Art von Skulptur zu entwickeln.

Damals entstanden aus handelsüblichen Materialien lakonisch gestaltete Gebäude und Szenenbilder im verkleinerten Maßstab, die kollektive und individuelle Befindlichkeiten dieses letzten Jahrzehnts des Kalten Krieges thematisieren. Visionen von Künstlerhäusern stehen neben bedrohlich wirkenden Monumentalgebäuden, elegische Szenen neben sarkastischen Zeitkommentaren. Die Form des Modells erlaubt es ihm, Geschichten anzudeuten ohne sie auszuformulieren. Die Aussage wird in der Schwebe eines Als-ob gehalten.


Schüttes Architekturmodelle pendeln so zwischen Gedanken-, Spekulations- und Emotionsmodell. Das gebaute Bild verweist nicht auf etwas ›eigentlich‹ Gemeintes, das es bloß ersatzweise vertritt, sondern schafft neue Assoziationsfelder. Die Frage, ob und wie das Modell ausgeführt werden sollte oder könnte, rückt in den Hintergrund oder verschwindet in diesem Stadium von Schüttes Entwicklung fast ganz. Die Vorstellung, dass manche Modelle Wirklichkeit werden könnten, erhöht jedoch andererseits auf subtile Weise die Dramatik der ihnen innewohnenden Gedankenbilder.


Text und Abbildungen: Projekt MIK e.V.



Der Bau des Schütte Pavillons wurde großzügig von der Kunststiftung NRW unterstützt. In den kommenden Monaten entfaltet sich dort ein Programm, das wir Ihnen vorstellen werden.



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Thomas Schütte, Pavillon, Foto: Projekt MIK ev