Imi Knoebel – Das Reims-Projekt


Im Mai 2015 wurden auf Einladung von Laurent Fabius, Minister für Auswärtige Angelegenheiten und Internationale Entwicklung der Französischen Republik, und Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland, im Rahmen eines Festakts in der Kathedrale zu Reims in Frankreich die Glasfenster von Imi Knoebel eingeweiht, die auf Initiative des Künstlers mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland und durch Förderung und Projektorganisation der Kunststiftung NRW realisiert werden konnten.


Imi Knoebel vor dem Glasfenster in der Kathedrale zu Reims | Foto: Ivo Faber


Auch ein Jahrhundert nach dem 1. Weltkrieg sind die Grausamkeiten und die kulturelle Verwüstung, die mit dieser Urkatastrophe der Moderne einhergingen, Mahnung und Herausforderung zugleich, engagiert und nachhaltig an einer friedvollen Zukunft Europas und der Welt zu arbeiten.


Vor diesem Hintergrund ist die Schenkung dreier von Imi Knoebel geschaffenen Glasfenster für die Jeanne d’Arc-Kapelle der Kathedrale von Reims, eine Initiative des Künstlers, die mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland und der Kunststiftung NRW auf den Weg gebracht wurde, ein kulturpolitischer Akt von historischer Bedeutung.


Am Montag, 11. Mai 2015, 11 Uhr wurden die Fenster im Rahmen eines Festakts in der Kathedrale zu Reims in Anwesenheit von Laurent Fabius, Minister für Auswärtige Angelegenheiten und Internationale Entwicklung der Französischen Republik, und Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland, eingeweiht. Zu Gast war – neben Vertretern aus Politik, Kultur und Klerus – die Jugend und damit die Zukunft: 500 Schülerinnen und Schüler der Lycées franco-allemands, den französisch-deutschen Gymnasien aus der Region Champagne-Ardenne und dem Einzugsbereich der Hauptstadt Paris. Die Zeremonie wurde musikalisch umrahmt von einem deutsch-französischen Jugendensemble.


Foto: Ivo Faber


Mit der Übergabe, die sich als Geste der Wiedergutmachung und der Versöhnung versteht, wird symbolisch eine Wunde geschlossen, die deutsche Truppen 1914 dem kulturellen Herzstück Frankreichs geschlagen haben. Bis heute gilt die Bombardierung der Kathedrale von Reims als einer der größten vandalistischen Akte der Kriegsgeschichte.


Mit der Annahme eines Geschenks, das als nationales Kulturgut Generationen überdauern wird, hat Frankreich das vollendet, was den Geist des Projekts, den "Esprit du projet", ausmacht: den Wunsch, die deutsch-französische Freundschaft zu stärken im Dienste der Zukunft Europas und der Kultur, ein Symbol der Hoffnung zu schaffen und ein Zeichen zu setzen für den Frieden.


Die neue Arbeit von Imi Knoebel, Schichtungen gefärbter Gläser auf 64 Quadratmetern, setzt in einer abstrakten Komposition 27 Farben zu immer wieder neuen Formen zusammen. Fliegende, schwebende, leuchtende Partikel erheben sich über jede Sprache, richten sich an alle Kulturen und Religionen und vermitteln eine Idee von Einheit in der Vielfalt.


Einbau der Glasfenster von Imi Knoebel | Foto: Ivo Faber


Imi Knoebel, 1940 in Dessau geboren und in Düsseldorf lebend und arbeitend, zählt zu den wichtigsten europäischen Künstlern, die sich um die Weiterentwicklung gegenstandsloser Kunst verdient gemacht haben. Seine Anfänge sind von zwei kontrapunktischen Ausgangspositionen geprägt: der Lehre von Joseph Beuys und den Arbeiten von Kasimir Malewitsch. Knoebels umfassendes Werk beeindruckt bei aller Hinwendung zum Minimalismus durch die Vielzahl der Bildgattungen, die Gleichzeitigkeit geometrischer wie gestisch-expressiver Elemente und den Reichtum von Materialien und Farben.


Bereits 2011 hatte der Künstler auf Einladung des französischen Staates sechs Buntglaskreationen für den Chor der Kathedrale zu beiden Seiten der Kirchenfenster von Marc Chagall gestaltet. Deren Ergänzung um drei weitere Gläser in der Jeanne d’Arc-Kapelle bildet nun den krönenden Abschluss seines außergewöhnlichen Engagements, das im großzügigen Verzicht auf ein Honorar gipfelt.


Foto: Ivo Faber


An der Realisierung hat die Kunststiftung NRW entscheidenden Anteil. Durch den Einsatz ihres Präsidenten Dr. Fritz Behrens ist es gelungen, das Projekt auf nationaler Ebene politisch zu verankern. Die Federführung und die Leitung der bilateralen Projektorganisation lag in den Händen von Dr. Ursula Sinnreich, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW, in Kooperation mit der Regionalen Direktion für kulturelle Angelegenheiten der Region Champagne-Ardenne.


Links zur Medienberichterstattung:



Pressemappe deutsch
 

Pressemappe französisch
 

Festschrift | Brochure commemorative zur Einweihung am 11. Mai 2015
 

Rede Frank-Walter Steinmeier, Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, zur Einweihung am 11. Mai 2015
 

Rede Laurent Fabius, Außenminister der République française, zur Einweihung am 11. Mai 2015
 

Rede Thierry Jordan, Erzbischof zu Reims, zur Einweihung am 11. Mai 2015