Impulse Theater Festival 2017 - ein Rückblick


 

Das Impulse Theater Festival zeigt jährlich die wichtigsten freien Theaterproduktionen aus dem deutschsprachigen Raum. Vom 22. Juni – 01. Juli 2017 fand das Festival in Köln sowie in den Partnerstädten Mülheim an der Ruhr und Düsseldorf letztmals unter der künstlerischen Leitung von Florian Malzacher statt. Das folgende Gespräch formuliert einen kurzen Rückblick auf das diesjährige, von der Kunststiftung NRW geförderte Impulse Theater Festival, wie auch auf die Motivationen, Ziele und Errungenschaften der letzten vier Ausgaben des Festivals.



Florian Malzacher



Drei Fragen an Florian Malzacher


1

Decide or Else – Entscheidungen in Gesellschaft, Politik und Kunst. Wie sind diese Themenfelder beim Impulse Theater Festival 2017 auf die Bühne gekommen?


Die künstlerischen Arbeiten des Festivals haben die Frage nach unseren Entscheidungsmöglichkeiten auf sehr unterschiedliche Weise aufgegriffen: „Sorry“ von Monster Truck & The Footprints beispielsweise, das in Zusammenarbeit mit dem nigerianischen Choreografen Segun Adefila entstand, konfrontiert das Publikum mit sehr verstörenden post-kolonialen Bildern von „schwarz“ und „weiß“ – man hat das Gefühl, sich positionieren zu müssen, merkt aber zugleich, dass eine Entscheidung hier nicht einfach ist. Auf der anderen Seite gab es Arbeiten wie das Kinderstück „DA GEFAHR!“ des FUNDUS THEATER Hamburg, das seine jungen ZuschauerInnen auffordert, mutig zu sein und nicht immer nur für die sicherste Lösung zu entscheiden. Die performative Ausstellung „Of All The People In All The World” der britischen Theatergruppe Stan’s Cafe im Ringlokschuppen Ruhr in Mülheim an der Ruhr präsentierte Statistiken in Form von Reiskornhügeln und setzte sich so sehr spielerisch damit auseinander, auf welcher Basis von Fakten wir überhaupt Entscheidungen treffen können – in einer Zeit, wo dauernd vom „Postfaktischen“ und „alternativen Wahrheiten“ die Rede ist.



2

Wie ist man dem im Raum Dargestellten und Entwickelten bei der Konferenz begegnet, die ja als besonderes Format das Festival erweiterte und den Dialog sehr konzentriert in den Fokus brachte?


Das Besondere der Konferenz war, dass viele BesucherInnen vorher ja bereits viele Aufführungen im Festival gesehen hatten – das war die Folie, vor der dann die Vorträge und Gespräche stattfanden. Zudem sind viele der Beitragenden dem Festival länger verbunden bzw. haben direkt oder indirekt das Festival geprägt: der Politologe Oliver Marchart und der Philosoph Marcus Steinweg beispielsweise gehörten dem künstlerischen Beirat von Impulse an, mit Chantal Mouffe haben wir über Jahre hinweg immer wieder einen Austausch gehabt, andere Beteiligte sind als Künstler am Festival beteiligt. Die Mischung aus theoretischem Zugriff und künstlerischer Arbeit war für das Festivals immer wieder entscheidend – und auch die Frage nach dem Unterschied zwischen gesellschaftlichem und künstlerischem Entscheiden.



3

Sie waren in den letzten fünf Jahren als künstlerischer Leiter für vier Ausgaben des Impulse Theater Festivals verantwortlich. Wie ist Ihr Resumée, was waren für Sie besondere Erlebnis-, Erinnerungs-, oder Erkenntnismomente?


Inhaltlich haben wir uns über die letzten Ausgaben hinweg besonders mit dem Verhältnis von Kunst und Politik beschäftigt – wie wichtig dieses Thema für viele KünstlerInnen geworden ist, das hat die letzten Jahre deutlich geprägt. Auf einer anderen Ebene stand die Konsolidierung von Impulse. Als ich das Festival übernahm, war es sehr schnell mit der Frage konfrontiert, ob es die Impulse überhaupt noch braucht – und wer es denn finanzieren soll. Gemeinsam mit den veranstaltenden Partnern und den Förderern des Festivals ist es in den letzten fünf Jahren gelungen, eine Struktur zu schaffen, die ein gutes finanzielles Fundament bietet und strukturell stabil ist. Das freut mich natürlich sehr.



Das Gespräch führte Christina Irrgang


Weitere Informationen zum Impulse Theater Festival 2017 - wie den Vortrag von Chantal Mouffe

im Rahmen der Impulse-Konferenz (Audio) - finden Sie hier



                                                                                                               Monstertruck & The Footprints, "Sorry", Szenenbild

Fundus Theater, "Da Gefahr!", Szenenbild

                                                              Stan's Café, "Of All the People in All The World", Ausstellungsansicht