„Heimaten“


         


„Heimaten“

Ein Erzähltheater von Judith Kuckart im Dorf und Schloss Willebadessen

im Rahmen des Literatur- und Musikfestes „Wege durch das Land“



Eine große Gruppe Menschen zieht in Begleitung von Musik unter Anleitung eines Clowns durch die Straßen von Willebadessen, hinein in Tante Luzies Friseursalon, in die schon seit vielen Jahren geschlossene Gaststätte Klocke und dann zum Geburtshaus an der Nethe von Judith Kuckarts Großmutter, die hier einmal lebte und Kuckart in einigen Sommern in den langen Ferien erwartete. Willebadessen, eine Kleinstadt mit Dorfcharakter in Ostwestfalen, wurde für die Schriftstellerin und Regisseurin Judith Kuckart in ihren Kindertagen zu einem „Dorf in der Toskana“, wo die Großmutter Elisabeth ausgedachte Geschichten von der ganzen Welt erzählte (die sie eigentlich nur mit dem Finger auf der Landkarte bereiste) und die sechs Wochen Sommerferien in einen zeitlosen Ort verwandelte, der seither Heimat für Kuckart bedeutet.


Heimat und Weltoffenheit sind so auch zum Motiv für Judith Kuckarts Erzähltheater „Heimaten“ geworden, das sie für das Literatur- und Musikfest „Wege durch das Land“ konzipierte und zusammen mit der Schauspielerin Bibiana Beglau, Annalisa Derossi (Akkordeon und Klavier), Thekla Schulze-Raestrup (Gesang) und Matthias Romir als Clown und Jongleur sowie einigen BewohnerInnen des Dorfes Willebadessen umsetzte. In drei Akten näherten sich DarstellerInnen und ZuschauerInnen besonderen Orten im Dorf wie auch seinen persönlichen Geschichten, Spezialitäten und Entwicklungen.


Auf den Rundgang durch die Straßen mit Schauspiel, Musik, Text und Clownerie folgte eine mehr auf Sprache und Gesang ausgerichtete Darbietung im Schloss Willebadessen, die auf Kuckarts Biografie und Texten basierte – stets der Frage nachgehend, was Heimat überhaupt meint, was sie bedeutet, was sie zu sein vermag? So gaben Judith Kuckart, Bibiana Beglau und Thekla Schulze-Raestrup im Wechsel – mal flüsternd, mal lauthals tönend, mal singend, oft zugleich antwortend und fragend – mögliche Vorschläge... „da, wo man herkommt“... „da, wo man hin will“... „ein Ort, an den man zurück kommen kann“...und inmitten der von Annalisa Derossi dargebotenen Klavier-Melodien entstand Raum zum Nachdenken, was dieser Ort, ja was die eigene Heimat für einen selbst bedeutet.


Der Auftritt der Bewohnerinnen und Bewohner von Willebadessen leitete schließlich den dritten Akt ein, der den Fokus auf die persönlichen Geschichten jener Menschen richtete, die heute dort leben. So nahmen Kinder, Frauen und Männer verschiedener Altersgruppen und Nationalitäten nebeneinander auf der Bühne Platz, stellten sich vor und verteilten sich dann in den Zimmern des Schlosses, um davon zu erzählen, wie Willebadessen zu ihrer neuen Heimat wurde oder immer schon Heimat war. Familie, Tradition, Krieg, Flucht, Arbeit, Liebe...es gibt viele Gründe, in der Heimat zu bleiben, sie zu verlassen und eine neue zu finden. Mit „Heimaten“ hat Judith Kuckart ihre ganz persönliche Heimat-Geschichte erzählt und zugleich gezeigt, dass Heimat trotz Wanderschaft möglich ist, solang es Menschen gibt, die einen willkommen heißen.



Text: Christina Irrgang


„Heimaten“ wurde aufgeführt am 06. August 2017 im Dorf und Schloss Willebadessen.

Weitere Informationen zum Literatur- und Musikfest „Wege durch das Land“ 2017 finden Sie hier



© Wege durch das Land, Ann-Christin Hollmann             © Wege durch das Land, Ann-Christin Hollmann


© Wege durch das Land, Ann-Christin Hollmann                      © Wege durch das Land, Ann-Christin Hollmann


© Wege durch das Land, Ann-Christin Hollmann



Wolfgang Höbel, "Zu Besuch zu Haus", Besprechung in: Der Spiegel, 33/2017.