SIGNIFYING GHOSTS
Deutsch-afrikanisches Austauschprojekt mit Rafaële Giovanola, Kettly Noël, Vera Sander, Nelisiwe Xaba und CocoonDance


Kettly Noël N.N. - SIGNIFYING GHOSTS. Probe mit Ana Koné und Fa-Hsuan Chen © Foto: Martina De Dominicis



SIGNIFYING GHOSTS ist ein deutsch-afrikanisches Austauschprojekt, im Rahmen dessen die vier Choreographinnen Rafaële Giovanola (Künstlerische Leitung CocoonDance Company), Kettly Noël (Künstlerische Leitung Choreographisches Zentrum Donko Seko, Bamako), Vera Sander (Hochschule für Musik und Tanz Köln) und Nelisiwe Xaba (Johannesburg) mit dem Bonner Tanzensemble CocoonDance sowie den Tänzer*innen Ana Koné und Ibrahima Camara aus Bamako, Sanga Outtara von der Côte d'Ivoire als auch Léonce Noah und Greta Salgado aus Köln innerhalb eines Jahres vier zeitgenössische Tanzproduktionen erarbeiten.


Gemeinsam nehmen die Choreographinnen ihre bisherigen Arbeiten erneut in den Blick, übertragen diese untereinander und verfolgen deren Transformation als Beobachterinnen im Rahmen des interkulturellen Projektes SIGNIFYING GHOSTS.

EX-SITU (Arbeitstitel) beispielsweise, das Projekt von CocoonDance Company, entsteht aus der Re-Lektüre und Wiederaneignung einer früheren choreographischen Arbeit von CocoonDance. Im Stück NULLSTELLE (Arbeitstitel) von Vera Sander begegnen sich die beiden Tänzer Ibrahima Camara und Werner Nigg und rücken Kommunikation als Basis von Zusammenarbeit, Gedächtnis und Identität in den Fokus.


Im Rahmen der Eröffnung der 15. Ausgabe des Festivals DENSE BAMAKO DANSE fand am 31. Oktober 2018 um 20.30 Uhr die Premiere von EX-SITU von CocoonDance im Choreographischen Zentrum Donko Seko Bamako (Mali) statt. Die Premiere NULLSTELLE (Arbeitstitel) von Vera Sander folgte am 1. November 2018 um 19 Uhr im Institut français Bamako (Mali). Alle Produktionen werden auf einer Deutschlandtour im Juni 2019 zu sehen sein: Dabei feiert FAKE N.E.W.S. von Nelisiwe Xaba am 12. Juni 2019 um 20 Uhr Premiere im Theater im Ballsaal Bonn und die Produktion DIALOGUE ENTRE MOUCHE ET MOUSTIQUE von Kettly Noël premiert am 31. August 2019 im Rahmen des Kunstfests Weimar.



> Termine Deutschlandtour 2019:


12./ 13. Juni 2019, Theater im Ballsaal, Bonn (Premiere FAKE N.E.W.S.)

15. Juni 2019, Afrika-Tag, Ringlokschuppen Ruhr, Mülheim

20. Juni 2019, Festival TANZ MODERNE TANZ, Stadttheater Chemnitz

22. Juni 2019, afriCOLOGNE Festival Köln, Studiotheater Zentrum für Zeitgenössischen Tanz Köln

31. August / 1. September 2019, Kunstfest Weimar, Deutsches Nationaltheater (Premiere DIALOGUE ENTRE MOUCHE ET MOUSTIQUE)



SIGNIFYING GHOSTS wird gefördert im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes, sowie durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Bundesstadt Bonn, die Kunststiftung NRW, das Theatre-ProVS, Le Conseil de la Culture Etat du Valais und La Loterie Romande. In Koproduktion mit dem Goethe-Institut (Internationaler Koproduktionsfonds).



CocoonDance EX-SITUI_SIGNIFYING GHOSTS. Probe mit Ensemble © Foto: Martina De Dominicis



Vera Sander NULLSTELLE - SIGNIFYING GHOSTS. Probe mit Ibrahima Camara und Werner Nigg © Foto: Martina De Dominicis

 


Videoansichten aus dem Entstehungsprozess:


Probe EX-SITU (01:08 min.) von CocoonDance der dritten Projektphase Oktober 2018 in Bamako

Probe NULLSTELLE (0:46 min.) von Vera Sander

Probe Dialogue entre mouche et moustique (0:46 min.) von Kettly Noël


Dokumentation (13:01 min.) der zweiten Projektphase im Juni 2018 in Bonn und Köln



2. Projektphase SIGINIFYING GHOSTS. Foto: Michael Maurissens



2. Projektphase SIGINIFYING GHOSTS_NULLSTELLE von Vera Sander. Foto: Michael Maurissens



DIALOGUE ENTRE MOUCHE ET MOUSTIQUE


Premiere am 31. August 2019, im Rahmen des Kunstfest Weimar, Deutsches Nationaltheater Weimar


Choreographie: Kettly Noël // Von und Mit: Fa-Hsuan-Chen, Ana Koné Camara // Light design: Florent Blanchon



Signifying Ghosts, FAKE N.E.W.S., Cocoon Dance Bonn, Premiere 12.6.2019, Foto: Klaus Fröhlich



FAKE  N.E.W.S.


Premiere 12. Juni 2019, Theater im Ballsaal Bonn


Choreographie: Nelisiwe Xaba // Video und Sounddesign: Mocke J Van Veuren // Tänzer: Martina De Dominicis, Álvaro Esteban, Greta Salgado



FAKE N.E.W.S. rückt das projizierte Bild, den Screen in den Fokus – als eine magische Box, als überwältigende Lichtkreatur, die dem menschlichen Körper gegenüber gestellt wird. Der Bildschirm wird zur Realität, er verwandelt Körper in göttliche Wesen. In FAKE N.E.W.S. findet der Tanz in Echtzeit statt und stellt das Publikum kontinuierlich vor die Entscheidung, zwischen dem Bild und der Live-Performance zu wählen.



Nelisiwe Xaba geboren in Soweto, ausgebildet an der Johannesburg Dance Foundation und der Rambert School of Ballet and Contemporary Dance, trat 1997 der Pact Dance Company in Südafrika bei. Als Solistin arbeitete sie u.a. mit Robyn Orlin und begann selbst zu choreographieren. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit dem europäischen Bild des „afrikanischen Tanzes“, der Darstellung von Weiblichkeit und Exotismus und ihrer Rolle als „schwarzer“ Tänzerin auseinander.


 

Signifying Ghosts, NULLSTELLE, Cocoon Dance Bonn, Premiere 12.6.2019, Foto: Klaus Fröhlich



NULLSTELLE


Premiere: 02. November 2018, Institut français Bamako (Mali)


Choreographie: Vera Sander // Von und Mit: Ibrahima Camara, Werner Nigg // Komposition: Dirk Specht



Wenn Sie sich mit Darsteller*innen auf der Bühne unterhalten könnten, während sie performen, was würden Sie über das, was sie tun, erzählen? Ibrahima Camara und Werner Nigg trafen sich als Tänzer im Projekt SIGNIFYING GHOSTS. Die Performer bieten ihr Verständnis von zwei Personen an. Sie füllen den Aufführungsraum mit Versionen oder Echos von sich selbst und erschaffen so eine multiple Wahrnehmung von „nur zwei“. Im Zentrum von NULLSTELLE steht die direkte Beziehung zwischen Erinnerung und Identitätssinn. Die Performer berühren die Nullstelle – ohne Kontinuität.



Vera Sander, Direktorin des Zentrums für Zeitgenössischen Tanz und Professorin für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, beschäftigt sich als gefragte Gast-Choreographin und Gast-Dozentin u.a. mit der Entwicklung von Studiengängen und Austauschformaten im Bereich Tanz. Derzeit ist sie als künstlerische Leiterin (zusammen mit Holger Mertin) eines vom DAAD geförderten Projektes „Atlas Workshops“ tätig.



Signifying Ghosts, EX-SITU, Cocoon Dance Bonn, Premiere 12.6.2019, Foto: Klaus Fröhlich



EX-SITU


Premiere: 31. Oktober 2018, Donko Seko Bamako (Mali)


Choreographie: Rafaële Giovanola // Von und Mit: Ibrahima Camara, Fa-Hsuan Chen, Martina De Dominicis, Álvaro Esteban, Léonce Konan Noah, Werner Nigg, Sanga Ouattara // Komposition:  Jörg Ritzenhoff // Kostüme: Fa-Hsuan Chen, Rafaële Giovanola



EX-SITU ist entstanden aus der erneuten Lektüre einer bestehenden Arbeit von CocoonDance. No Body but me befasste sich mit der inszenierten Lust am Anblick menschlicher Körper und vor allem der kompletten Auflösung von Körpern in Ekstase. Die neue Sicht darauf führt die heterogenen Körper nun zu einem Ganzen zusammen, zu einem Organismus, zusammengehalten durch Haut, Zellen, Organe und Glieder.



Rafaële Giovanola, Schweizerin geboren in Baltimore/ U.S.A., Ausbildung in Klassischem Tanz u.a. bei Marika Besobrasova in Monte Carlo, Arbeiten u.a. mit William Forsythe, 1990-2003 bei Pavel Mikuláštiks Choreographischem Theater engagiert. Seit 2004 arbeitet sie mit ihrem eigenen freien Ensemble CocoonDance im Bonner Theater im Ballsaal und tourt auf fünf Kontinenten. Im letzten Jahr war die Company zur TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND eingeladen.





Mit Kettly Noël verbindet CocoonDance seit 2014 eine Freundschaft und Kooperation (gefördert durch: Institut français, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Kanton Wallis, iDAS). Kettly Noël choreografiert seit 1995 Stücke und wurde dafür mit vielen Preisen ausgezeichnet. Die Haitianerin untersucht die Traditionen des Tanzes in Afrika und erfindet ihn dabei radikal neu. In Mali, das nach Stationen in Paris und Benin seit 1999 zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden ist, etablierte sie das Festival Dense Bamako Danse, eine Kompanie, eine Produktionsfirma und das Donko Seko, einen Ausbildungsort für zeitgenössischen Tanz in Malis Hauptstadt, Bamako. Ihr Projekt „Zombiefication“ zeigte sie bei der 14. Documenta in Kassel und beim Festival d'Avignon.



Nelisiwe Xaba, geboren und aufgewachsen in Dube, Soweto (Südafrika), wo sie ihre internationale Karriere im Tanz vor fast 20 Jahren begann, ist ebenfalls eine besondere Künstlerpersönlichkeit, die sich aber mehr an der Performancekunst orientiert hat. Seitdem war Xaba in zahlreiche Projekte involviert, arbeitete mit Kunstschaffenden aus den Bereichen Bildende Kunst, Modedesign, Theater- und Fernsehregie, Literatur und Musik zusammen. Xabas bahnbrechende Arbeiten, in denen sie sich vielfach mit den Klischees Afrika auseinandersetzt, touren weltweit.



Vera Sander Die Choreographin und Tänzerin Vera Sander ist Gründerin des Tanzensembles VeraSanderArtConnects und ist als Choreographin für ihr Ensemble und auch als Gastchoreographin für andere Ensembles, u.a. Szegedi Ballet/Ungarn, Tanztheater Osnabrück, Ballett Vorpommern, Ballett-Theater Augsburg tätig. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Dt. Videotanzpreis, dem 2. Preis dialoog cultuur nrw-nl und dem Kölner Tanzpreis. Vera Sander ist Professorin für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und unterrichtete als Gastdozentin u.a. am tanzhaus nrw Düsseldorf, DV8, Adventures in Motion Pictures, Tanzcompagnie Oldenburg, Tanztheater Osnabrück und pact Zollverein in Essen. Vera Sander studierte an der London Contemporary Dance School und an der Theaterschool Amsterdam. Bevor sie ihre ersten Choreographien als Solistin beim Kölner Tanzforum entwickelte, tanzte sie u.a. bei der Dansgroep Krisztina de Chatel, bei Itzik Galili und als Solistin an der Sächsischen Staatsoper Dresden.



Die in Baltimore, U.S.A., geborene Schweizer Tänzerin und Choreografin Rafaële Giovanola studierte u.a. bei Marika Besobrasova in Monte Carlo. Nach einem ersten Engagement als Solistin in Turin wurde sie von Egon Madsen an das Frankfurter Ballett engagiert. Dort tanzte sie das klassische Repertoire und arbeitete u.a. mit dem Haus-Choreographen William Forsythe. 2000 gründete sie zusammen mit dem Dramaturgen Rainald Endraß das Projekt CocoonDance. Seit 2004 bespielt dieses das Bonner Theater im Ballsaal, das sich seither als Schnittstelle zum Wirkungsbereich verschiedenster Felder des zeitgenössischen Tanzes, wie neuer Festivalformate, Residenzprogramme sowie Projekte der kulturellen Bildung, wie bspw. der Junior Company Bonn und verschiedener Schulprojekte entwickelte. Mittlerweile verfügt CocoonDance über ein Netz von nationalen und internationalen Kooperationspartnern und gastiert mit seinen bislang mehr als dreißig Stücken auf fünf Kontinenten. Rafaële Giovanola unterrichtete u.a. in der Oper Bonn, den Städtischen Bühnen Freiburg i.B., im tanzhaus nrw Düsseldorf, Staatstheater Nürnberg, St. Gallen, Verona, Bozen, Pisa, Perm, Montevideo, São Paulo, Bamako, Kinshasa, Abidjan. Mit afrikanischen Partnern wie in Mali, Côte d’Ivoire und der DR Kongo arbeitet CocoonDance seit 2014.



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